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Schluss mit lustig, jetzt geht's um Politik!

  • Das Video von MaiLab war in der Tat recht interessant.

    Ich habe keine Ahnung über die reellen Laborabläufe, vielleicht kann da Melissa mehr darüber erzählen. Zudem würde mich folgendes interessieren...Wäre es, Stand jetzt, überhaupt möglich gänzlich auf Tierversuche zu verzichten und dabei trotzdem aussagekräftige wissenschaftliche Ergebnisse zu bekommen?


    Mir fällt es ehrlich gesagt schwer eine Meinung über die Legitimität von Tierversuchen zu bilden/äußern, da mir zum einen das Tierwohl sehr am Herzen liegt, zum anderen ich aber auch die wissenschaftliche Notwendigkeit verstehe. Ich möchte auch keine Grenze ziehen zwischen: "bei diesen Tieren sind Experimente vertretbar und bei diesen nicht". Aus dem Bauch heraus, würde ich in der Volksabstimmung für "Nein" abstimmen, da ich in bestimmten Bereichen noch keine Alternativen sehe (Experimente natürlich unter strengen Auflagen und nur für wichtige Sachen). Aber natürlich hoffe ich, dass man in der Forschung so bald wie möglich auf Tierversuche verzichten kann.

  • Ich habe keine Ahnung über die reellen Laborabläufe, vielleicht kann da Melissa mehr darüber erzählen.

    Bevor man überhaupt Mäuse oder andere Labortiere in Betracht ziehen kann, muss grundsätzlich über das Forschungsthema gründlich recherchiert und die möglichen Versuche erörtert werden.


    Es gibt 4 Ebenen, wo man in der naturwissenschaftlichen und medizinischen Forschung Ergebnisse erzeugen kann:


    1. Der Computer: in silico
    2. Im Reagenzglas bzw. auf den Petrischalen, wo man mit tierischen oder menschlichen Krebszelllinien arbeitet: in vitro
    3. Im tierischen Lebewesen: in vivo (es gäbe noch ex vivo, wo man aus einem Tier oder Menschen Gewebe entnimmt und es auf der Petrischale kultiviert. Oft entnimmt man ja embryonale Stammzellen und mit den richtigen Wachstumsfaktoren kann man sogenannte Organoide im Labor heranzüchten, was oft ründliche Zellgewebe sind, die ziemlich autonom leben, z.B. ein Bündel aus Nervenzellen, Darmzellen, Hautzellen usw..
    4. Im Mensch: Humanexperiment.

    Wenn in 1. und 2. ungenügende oder unverlässliche Ergebnisse vorliegen, muss man 3. in Betracht ziehen, bevor man es beim Menschen in 4. anwendet. Zurzeit machen bioinformatische Algorithmen und Tools bei 1. grosse Fortschritte, aber diese sowie Krebszellen auf der Petrischale bei 2. reichen nicht aus, um vorherzusagen, ob ein Medikament oder bspw. eine Impfung auch in einem Zellgewebe funktioniert. Deshalb geht man oft mit den Mäusen, da deren Genom und Proteine sehr ähnlich zu denjenigen des Menschen sind, nur weniger komplex. Als Wissenschaftler, der das Experiment durchführt, ist man für das Tier verantwortlich, weil wir nicht Tieren sprechen können, um nach deren Erlaubnis zu fragen. Daher wird in den meisten Gesetzen damit argumentiert, dass man für jedes Labortier verantwortlich ist. Dann muss man eine Schaden-Nutzen-Analyse machen (harm-benefit analysis), die den Kern der ethischen/moralischen/wissenschaftlichen Diskussion darstellt. Diese Analyse zusammen mit einem Fragebogen, wo man den Schmerzgrad (0-3) und generell Infos zum Versuch abgibt (wissenschaftlicher Hintergrund, Dosierung, Betäubung, eventuell Tötung/Euthanasie etc.), wird in der Schweiz an das kantonale Veterinäramt geschickt und man bekommt nur für dieses Experiment eine Lizenz, wenn genehmigt. Es gibt keinen Freipass für den Menschen, der Wissenschaftler ist, sondern nur für das eine Experiment! Und vor dem Experiment muss man eine Vorlesung mit einer Prüfung besuchen sowie Minimum 3 Tage Labor an echten Mäusen, Ratten, Zebrafischen oder Würmern (Caenorhabditis elegans) üben. Und dann erst wird man vom Professor und den zuständigen Leuten im Tierversuch Center eingewiesen und man wird kaum allein experimentieren. Alle Schritte bis nach Ende der Tierversuche sind so schon strengstens gesetzlich reguliert. Dasselbe gilt auch für Humanexperimente, wo man etliche Einverständniserklärungen unterschreiben muss und die Doktoranden mehrmals Dir die Versuche erklären müssen.


    Ohne Tier- und Menschenversuche sind wir in der Forschung blind, weil Computer und Krebszellen auf der Petrischale nicht komplex genug sind, um den lebendigen Körper zu simulieren und auch auszutesten. Vielleicht genügen in 30-50 Jahren die Simulationen, aber momentan braucht es für den medizinischen Fortschritt die Lebewesen. Trotz alledem verstehe ich die Tierschützer hinter dieser Initiative, aber wenn, dann würde ich weiterhin Humanexperimente erlauben, weil man Menschen direkt um Erlaubnis bitten kann, die Mäuse nicht.


    Zuguterletzt wird seit den letzten 40 Jahren auch stets das Optimum gesucht: Das Prinzip von 3R (replace, reduce, refine). Man ersetzt entweder die Tierart oder einen Versuchsaufbau, reduziert die Anzahl an eingesetzten Tieren und verbessert generell alle Bedingungen am System, damit man nur ein Minimum an Tieren benötigt. Deshalb werde ich mit einem NEIN abstimmen, so sehr mir auch die Tiere leidtun, in denen man extra Krebsgeschwüre heranwachsen lässt, um sie dann mit neuen Medikamenten zu behandeln oder ihnen extra Alzheimer/Demenz gibt durch die induzierte Anreicherung von fehlgefalteten Tau- oder beta-Amyloid-Proteinen im Gehirn...

    "Ein angenehmes und heiteres Leben kommt nie von äußeren Dingen, sondern der Mensch bringt aus seinem Inneren, wie aus einer Quelle, Zufriedenheit in sein Leben."


    - Plutarch

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    Interessantes Video. Schon die Aussage am Anfang hat mich schon abgeholt.
    "Für Überwachung allerorts bräuchten wir keine trojanischen Impfstoffe oder mit Alienblut infundierte Omas, sondern einfach nur flächendeckendes Netz in Mecklenburg-Vorpommern und... es könnte quasi sofort losgehen."
    ^^

    Des Weiteren bin ich der Meinung, dass der Rome 2 Mehrspieler nochmal gebalanced werden sollte.

  • Ich kenne das Video und bin zwiegespalten, ob unsere Gesellschaft in den westlichen Ländern ähnlich oder anders wie China ein Social Scoring System etablieren kann. Ich denke eher weniger, da die persönliche Freiheit unabdingbar ist.

    "Ein angenehmes und heiteres Leben kommt nie von äußeren Dingen, sondern der Mensch bringt aus seinem Inneren, wie aus einer Quelle, Zufriedenheit in sein Leben."


    - Plutarch

  • So etwas ist meiner Meinung nach nur in einem totalitären Staat wie China möglich. In der EU/Deutschland kann ich mir das nicht vorstellen, da sie mitunter zu stark in die Freiheitsrechte des Einzelnen eingreifen. Zudem...in so einem Staat will ich auch nicht leben.

  • Verbrecherisch und unmenschlich .


    Solche Systeme unterdrücken das Individuum und Formen den Geist eines Kollektivs . Es widerspricht so ziemlich allem wie ich mir ein zusammenleben freier Menschen vorstelle . Menschen sind so unterschiedlich wie ihre Fingerabdrücke , ein social scoring oder credit System formt aus Menschen eine einheitliche Masse . Dabei ist es sogar egal ob sowas staatlich gelenkt oder in der Hand aller User ist.

    Leute die sich sowas ausdenken besitzen offensichtlich keine eigenen social scores , gruselig. :evil: :!: