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[AAR] God is a Girl

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    • 7. Eine Göttin verliert einen Diener


      2105. Jahr der Sonne, Republik Benjii, Villa der Mimir

      Kyon betrat vorsichtig das Zimmer, vor ihm standen gerade nicht wirklich die zwei gefährlichsten Menschen des ganzen Reiches oder etwa doch? Sally und Theron von Nurc leiteten gemeinsam die Mördergilde und auch wenn er als Republikaner keine allzu negative Einstellung gegenüber der Gilde vertrat, musste es einem bei diesen Beiden einfach kalt den Rücken runterlaufen. Gerüchten zufolge waren sie manchmal sogar ein Paar, aber wirklich nur manchmal denn meistens versuchten sie sich gegenseitig umzubringen und bekämpften einander oft genug um die alleinige Kontrolle der Gilde. Irgendwann hatte er sogar davon gehört dass sie vor vielen Jahren zusammen ein Kind gezeugt hatten und es zur perfekten Mörderin heranzogen, aber das war nichts weiter als Gerede, völlig bedeutungslos und ohne einen Funken Wahrheit, zumindest hoffte er das.
      „Ah Kyon, gut dass du endlich da bist.“ wandte sich Aratarn an ihn „Als Leibwächter meiner Tochter geht dich das genauso an wie alle anderen. Du weißt sicher schon wer unsere Gäste sind, der Hauptmann und Lady Silberblatt allerdings nicht. Darf ich vorstellen, Theron und Sally von Nurc, Leiter der Gilde. Sie sind hier um uns bei dem Mörder zu helfen der in Benjii wütet.“
      „Die Schlange von Nurc! Der erfolgreichste, der beste, der größte Auftragsmörder der Republiken, des ganzen Reiches! Der Mörder des alten Herzog Quest von Synkrien, von der Prinzessin aus Nika, die so hässlich gewesen sein soll dass der Graf von Nika selber den Auftrag zu ihrer Ermordung gegeben hat. Ihr seid sogar in die Festung von Vanidos eingedrungen! Der Herzog hat noch immer eine Narbe am Bein, dort wo Euer Dolch ihn erwischte!“ Haruhi war vollkommen außer sich und ließ Theron gar nicht zu Wort kommen. Sie hätte vermutlich noch tagelang geredet, wenn die Attentäterin neben Theron sie nicht barsch unterbrochen hätte.
      „Wer ist dieses quiekende Geschöpf?“ fragte Sally und musterte die junge Silberblatt.
      Haruhis Augen funkelten die Frau einen Moment zornig an, bevor ihr Gesicht sich plötzlich aufhellte und sie wieder anfing voller Begeisterung weiterzuplappern. „Sally? Sally von Nurc? Die zweitbeste Attentätern des ganzen Landes!“
      „Zweitbeste?“ knirschte Sally, diese Bezeichnung schien ihr ganz und gar nicht zu gefallen.
      „Wie auch immer.“ begann Theron schnell bevor noch jemand etwas sagen konnte, er kannte Sallys Temperament nur zu gut. „Wir haben aufgrund Eurer Berichte entschieden dass diese Angelegenheit ab jetzt einzig und allein die Gilde betrifft. Wir werden dieses Problem so schnell wie möglich aus der Welt schaffen und es...beseitigen.“
      Bei dem letzten Wort verzog Sally kurz das Gesicht, scheinbar wussten sie wer hinter den Morden steckte und es gefiel ihr nicht dass der Mörder einfach so umgebracht werden sollte. Aber dass sie sich jedes Widerwort sparte zeigte auch dass sie sich damit abgefunden hatte.
      „Die Hilfe der Gilde ist willkommen, meine Männer sind sowieso überfordert mit der derzeitigen Situation. Ich habe ihnen beigebracht zu kämpfen, nicht irgendwelchen Schattengestalten hinterherzujagen.“ erwiderte Aratarn ruhig, auch wenn es nicht gerade ungefährlich war den Gildenmitgliedern Zutritt zur Stadt zu gewähren. Der Mörder wurde aber langsam zu einem wirklichen Problem für die Mimir, er begann die Menschen in Panik zu versetzen, sie waren richtige Mörder nicht gewohnt, nur die Mitglieder der Gilde.
      „Und was hat das mit uns zu tun?“ Mischte sich Garon, der Hauptmann der königlichen Soldaten in Haruhis Leibwache, ein.
      „Einer Eurer Männer wurde heute früh in einer Gasse, nicht weit von hier, gefunden. Alles deutet auf unseren Mörder hin.“
      „Wirklich? Er hat einen dieser Königlichen getötet?“ unterbrach sie Haruhi aufgeregt „Ich muss diesen Mörder unbedingt kennenlernen, vielleicht kann er mir noch ein paar Tipps geben.“
      Den Hauptmann schien diese Nachricht dagegen wenig zu begeistern, dieser Mann sollte eigentlich Haruhi verfolgen. Hatte sie ihn vielleicht sogar selber umgebracht? Zutrauen würde er es der Silberblatt, für sie waren er und seine Männer nicht viel mehr als Tiere. „Nach dem was ich weiß hat der Mörder bisher nur Republikaner umgebracht, keine Fremden. War es nur Zufall dass er ausgerechnet einen der Meinen erwischte?“
      „Vielleicht.“ sagte Sally „Es deutet zumindest nichts darauf hin dass er sich groß um die Wahl seiner Opfer schert. Wie auch immer, er wird bald kein Problem mehr darstellen. Theron und ich werden ihn sicher ohne Probleme einfangen.“ Nur ganz leise konnte Kyon leichte Zweifel aus ihrer Stimme heraushören, aber vielleicht bildete er sich das auch nur ein.
      „Seid ihr beiden euch da vollkommen sicher?“ fragte Aratarn nach, er hatte kein gutes Gefühl dabei, wenn Haruhi und ihre Leibwache plötzlich zum Ziel dieses Verrückten geworden waren befand sich seine Tochter bei ihnen in Gefahr. Andererseits vertraute er Theron halbwegs, soweit man einem Attentäter vertrauen konnte, aber noch wichtiger er vertraute dessen Urteil.
      „Ja, es besteht kein Zweifel dass wir dieses bedauerliche Problem schnell aus der Welt schaffen. Es handelt sich nur um ein ehemaliges Gildenmitglied, wir werden ihn ohne große Probleme zur Strecke bringen.“ antwortete Theron mit fester, überzeugender Stimme.


      Tja das wäre meine letzte Chance gewesen dem Ganzen doch noch zu entkommen. Aber Aratarn und Miranda Mimir entschieden sich dazu ihre Tochter trotzdem mit Haruhi zu schicken. Sie glaubten wirklich nur an einen Zufall was den Tod des Soldaten anging und sie vertrauten darauf dass Sally und Theron Erfolg hatten. Waren sie nicht die besten Attentäter des Reiches, vielleicht sogar der Welt? Nein. Nein das waren sie nicht mehr, jemand anderes hatte ihre Fähigkeiten schon lange übertroffen. Es war ein unkontrollierbares Monster, dass sie in ihrer Selbstüberschätzung selbst erschufen und jetzt konnten sie es nicht mehr vernichten. Aber wie auch immer, wir haben ja nicht nur Haruhi und die Republikaner, nein wir haben auch noch eine Priestern, drei Ritter und rund 500 Belunder, Belunadaraner, Belunderesen, Belundarer? Irgendwie so war das glaube ich.


      2105. Jahr der Sonne, Herzogtum Belunda, südlich von Lordaeron

      Sie waren gut vorangekommen, sogar besser als erwartet. Angriffe der Dämonen blieben bisher zum Glück aus und auch das Wetter, im sonst so regnerischen Norden Belundas, schien auf ihrer Seite zu sein. An diesem Abend schlugen sie ihr Lager am Rand des Waldes auf, vor ihnen erstreckten sich jetzt die endlosen, öden Ebenen Zentralbelundas. Die nächste große Stadt lag viele viele Meilen entfernt im Osten, nur einige Dörfer und Burgen säumten den Rand dieser trostlosen Einöde. Ihre Kameraden wiesen gerade noch die Wachtposten ein, während Abbendis sich neben Christine an einem kleinen Feuer niederließ. Über 500 Menschen hatten sie aus dem Wald herausgeführt und in wenigen Tagen würden sie die sichere Burg ihres Freundes erreichen. Von dort aus würden sie ihre weiteren Schritte planen, es musste doch eine Möglichkeit geben den Herzog von der Existenz der Dämonen zu überzeugen. Gerne hätte sie eine tote Kreatur mitgenommen aber die Leichen der Dämonen lösten sich bereits nach wenigen Stunden vollkommen in blauem Feuer auf.
      „Seid Ihr eine Christin?“ brach Abbendis das Schweigen, sie wollte mehr über die Fremde in Erfahrung bringen. Sie schien viel über die Dämonen zu wissen, zumindest viel mehr als jeder andere Mensch im Königreich, vielleicht fand sich mit ihrer Hilfe ein Weg den Herzog zu überzeugen.
      „Eine was?“ fragte sie verblüfft, mit diesem Wort konnte Christine, trotz ihres Namens Klappe deswegen, rein gar nichts anfangen.
      „Ähm.“ Abbendis zögerte kurz, konnte es sein dass sie sich geirrt hatte? Es war sowieso merkwürdig dass sie behauptete eine Priesterin zu sein, es gab dort keine weiblichen Priester. „Das Christentum war vor mehr als 2000 Jahren die Religion der ursprünglichen Einwohner dieser Insel. Einige ihrer Nachfahren leben noch immer im Königreich verteilt. Außerdem gibt es die Grafschaft Nika, hinter der östlichen Wüste, dort herrscht noch das alte christliche Kaiserhaus.“
      „Ich weiß nicht was diese Christen sind, mein Leben gehört Sigmar und dem Imperator. Wie kommt Ihr überhaupt darauf?“
      „Ihr habt von einem Kreuzzug geredet, nur Christen benutzen dieses Wort und noch vor einigen Jahren hätte man Euch dafür hinrichten können.“
      „Was auch immer diese Christen unter einem Kreuzzug verstehen kümmert mich wenig. Ein solches Heer steht unter dem heiligen Willen Sigmars und dem Wappen des Imperators, einem Totenschädel, gekrönt mit einem Lorbeerkranz und darunter ein Kreuz aus vergoldetem Eisen.“




      „Wollt Ihr für unseren kleinen Kreuzzug nicht lieber ein Schwert? Wir haben noch ein paar übrig, aus gutem belundischen Stahl.“ Abbendis betrachtete die klobige Kriegskeule, die Waffe passte nicht wirklich zu der jungen Priesterin.
      „Die Priester Sigmars kämpfen schon seit 2000 Jahren mit Kriegshämmern, auch wenn dieses...Ding nicht einmal ansatzweise an meinen eigenen Hammer heranreicht. Ein wahres Ungetüm das jeden Dämon in die Knie zwingen konnte, leider ging er auf meiner Reise verloren.“
      „Die Dorfbewohner sagten Ihr seid in der Lage aus dem Nichts einen Hammer aus goldenem Licht zu erschaffen, wozu braucht Ihr dann überhaupt noch eine Waffe?“
      „Es erfordert viel Konzentration und Kraft eine göttliche Waffe aus Nichts zu erschaffen. Es ist besser eine Art Vorlage zu haben und dafür reicht diese Keule geradeso. Mit meiner alten Waffe war es sogar noch einfacher, sie war nämlich schon fast perfekt und meine Gebete konnten sie nicht mehr viel stärker machen.“ antwortete die Priesterin seufzend
      „Woher hattet ihr diesen Hammer?“
      „Ein Freund erschuf ihn für mich, sein Name ist Kazgar, er ist ein...“ Christine brach ab, die Menschen hier konnten mit dem Begriff Zwerg sicher wenig anfangen, nichts deutete darauf hin dass es hier außer Menschen noch andere Rassen ihrer Heimat gab „ein Schmied, einer der besten die diese Welt je gesehen hatte. Auch wenn die Schmieden in Kislev nicht so gut sind wie die in seiner Heimat hat er ein wahres Meisterwerk erschaffen. Die Runen beschützten mich schon oft vor der Magie des Chaos und der dämonischen Macht.“
      „Ihr habt dieses Kislev schon einmal erwähnt, stammt Ihr von dort?“
      „Nein, nein ich wurde weiter im Süden geboren. Erst in meinem Fünfzehnten Lebensjahr schickte man mich nach Norden, an den Hof des Zaren von Kislev. Kislev...die große, schneebedeckte Stadt am Ufer des Flusses Lynsk. Mit dem mächtigen Bokhapalast aus reinem, magischen Eis, erschaffen von den Eishexen der alten Zeit. Mit bloßer Willenskraft und der Kraft des Landes selbst, ließen sie dieses glitzernde Kristallschloss aus dem Nichts entstehen und seit fast 1000 Jahren trotzt das Eis der Sonne genauso wie den Kanonen des Südens und den Barbaren der Chaoswüste. Ich ritt an der Seite der kislevitischen Greifenhusaren in die Schlacht. gegen die gleichen Dämonen die jetzt durch eure Wälder streifen und noch mächtigere Diener der Chaosgötter. Niemals habe ich mutigere Krieger gesehen oder einen Menschen der so vor purer, ungezügelter Macht strotze wie die Eishexe Katarina Bokha, die Schwester des Zaren.“
      „Wieso musstet Ihr denn Eure Heimat verlassen?“
      „Die deren Augen mit kaltem Feuer brennen vernichteten meinen Orden.“ murmelte Christine leise vor sich hin. Sie hatte während des Chaossturms viel gesehen, in zahllosen Schlachten gegen Dämonen und Berserker gekämpft und trotzdem, nie würde sie die Nacht in dem Kloster vergessen, die Nacht in der die Vampire über ihre Ordensschwestern hergefallen und sie in Stücke gerissen hatten. Als einzige hatte sie diese Nacht überlebt und als sie keine Novizin mehr gewesen war, hatte der Imperator sie als hochrangige Adlige an den kislevitischen Hof geschickt, um die Beziehungen zu ihren nördlichen Nachbarn ein wenig zu verbessern.
      „Was habt Ihr gesagt?“
      „Nichts, seid einfach froh dass es diese Wesen die meinen Orden zerschlugen in diesem Land nicht gibt. Auf ihre Art sind sie schlimmer als die Dämonen.“ mehr schien sie dazu auch nicht sagen zu wollen. Abbendis konnte sich kaum noch schlimmere Kreaturen vorstellen, andererseits war es mit ihrer Fantasie auch nicht gerade weit her. Selbst jetzt zweifelte sie noch ab und zu daran ob sie sich die Dämonen nicht nur eingebildet hatte.
      „Woher kommen die Dämonen eigentlich? Wie sind sie entstanden? Was hat es mit dem Chaos auf sich?“
      Christine lächelte müde über die vielen Fragen der Ritterin, eine wirkliche Antwort wusste sie selber nicht. Wer sich zu sehr mit dem Chaos und dessen Wesen beschäftigte wurde davon verschlungen, also zog sie die Unwissenheit vor. „Es heißt die Alten erschufen einst vor vielen Tausenden von Jahren zwei gewaltige Tore. Sie sollen unermessliche Ausmaße besessen haben und schwebten über den beiden Polen der Welt. Diese Tore führten von unserer Welt in die der Alten, des Chaos und viele andere die dadurch alle miteinander verbunden waren. Doch irgendwann brachen die Tore zusammen, sie stürzten vom Himmel auf die Erde nieder und zerbarsten. Die pure Kraft dieser Explosion erschuf die Warptore, gewaltige, schwarze Löcher die unsere Welt mit der Dimension des Chaos verbinden. Um die zusammengebrochenen Tore herum ist das Gefüge der Realität von der rohen, einströmenden Chaosmacht aufgelöst. Dort vermischen sich die diesseitige Welt und das Reich des Chaos. Dort werden wahnsinnige Gedanken Realität und Dämonen entstehen aus den Wünschen und Sehnsüchten der Sterblichen. Die restlichen Alten in unserer Welt wurden von den Dämonen vernichtet, was aus diesem weisen Volk geworden ist weiß niemand da es keine Verbindung mehr zwischen den Welt gibt, außer zu einer, zum Reich des Chaos.“
      „Vor vielen Tausend Jahren? Das kann nicht sein, wir hörten erst vor kurzem zum erstenmal von diesen Kreaturen und dem Chaos. Haben uns diese allmächtigen Chaosgötter etwa so lange übersehen? Eher unwahrscheinlich, also warum greifen sie erst jetzt an?“
      „Weil das hier nicht meine Welt ist und meine Geschichte damit vollkommen unwichtig war?“ Beinahe hätte sie das laut ausgesprochen aber hielt sich noch zurück. Vor allem wusste sie nicht einmal ob es wirklich eine andere Welt war, sie könnte auch auf irgendeiner bisher unentdeckten Insel weit im Osten sein oder vielleicht auch im Süden. Andererseits war es merkwürdig wie das Chaos hier vorging, es waren zwar Dämonen Tzeentchs aber selbst der Gott der Hinterlist und Intrigen würde nicht 10 Jahre damit verschwenden kleine Dörfer zu belagern. Es musste mehr dahinterstecken, warum waren es nur so wenige Dämonen? Dieses Königreich besaß scheinbar keine nennenswerte Möglichkeit den Dämonen Widerstand zu leisten, weder Magie noch die göttlichen Segen und Gebete Sigmars. Eine richtige Chaosinvasion hätte niemand hier aufhalten können, also was entging ihr? Es musste doch einen Grund geben warum Tzeentch sich dieses Land nicht einfach nahm.
      „Das weiß ich leider nicht, aber wenn es sich so verhält wie in meiner Heimat steht euch und eurem Volk ein ewiger Verteidigungskrieg bevor. Wir kämpfen schon länger gegen das Chaos an als unser Imperium überhaupt existiert. Selbst wenn wir einen Krieg gewinnen, das Chaos wird immer dort draußen sein und nur auf eine Gelegenheit zum zuschlagen warten, auf einen einzigen Moment der Schwäche.“
      „Gibt es denn keine Möglichkeit es zu vernichten? Oder wenigstens diese Verbindung zu schließen von der Ihr spracht. Irgendwie muss man sich doch gegen diese Kreaturen wehren!“ Abbendis konnte oder wollte einfach nicht glauben dass sie diese Dämonen niemals wieder loswurden. Man konnte alles bekämpfen, irgendwie.
      „Nein, man muss einfach hoffen dass es einem gelingt das Chaos zurückzudrängen, es in Zaum zu halten und sein Leben lang zu bekämpfen. Diese Dorfbewohner, sie sind auf Rache aus und genau die werden sie niemals erhalten. Man kann das Chaos nicht einfach umbringen, ihr Hass wird nichts weiter sein als der erste Schritt auf dem Pfad in die Gärten des Chaos.“
      „Reicht es denn nicht ein Heer zusammenzuziehen und damit zu diesen Toren zu marschieren? Ihr habt vorhin von Magie gesprochen, wenn so etwas wirklich existiert kann man das Tor doch sicher vernichten und die Verbindung zu diesem Warpding unterbrechen.“
      „Zu Zeiten Sigmars hätte man es vielleicht geschafft. Damals als er die Stämme der Menschen vereinte und das Imperium gründete, meine Heimat. Mit ihm an der Spitze eines Heeres hätte man zu den gefallenen Toren vordringen und sie für immer zerstören können. Aber er tat es nicht, sondern verschwand spurlos.“ erklärte Christine der inzwischen vollkommen verwirrten Abbendis.
      „Sigmar? Ich dachte das wäre der Name eures Gottes, es klingt aber eher als würdet Ihr über einen Menschen reden, der wirklich unter den Sterblichen gelebt hat.“
      „Es gab eine Zeit als er beides zur gleichen Zeit war, Mensch und Gott. Er...“
      „Dämonen!“ schallte der entsetzte Ruf eines Söldners durch das Lager, diese Männer waren bisher nur toten Kreaturen begegnet, jetzt die lebendigen und mit Magie um sich werfenden Dämonen zu sehen versetzte sie dann doch aus irgendeinem Grund in Panik. Feuerbälle schossen vom Waldrand auf das Lager zu und schlugen in der aufgeschreckt durcheinander laufenden Menschenmenge ein. Die Einwohner aus dem Dorf hatten während der Belagerung ihrer Heimat schon ein wenig Erfahrung mit den Dämonen gesammelten und reagierten sogar schneller als die Söldner. Sie verteilten sich und rannten in kleinen Gruppen von ein paar Mann oder Einzeln Richtung Wald, damit die Geschosse sie nicht so gut treffen konnten und währenddessen rannten die Frauen und Kinder, geschützt von einem dutzend Bewaffneter, so schnell sie konnten in die entgegengesetzte Richtung davon. Die Söldner waren eher richtige Kämpfe gewohnt, hauptsächlich in den Kriegen gegen das Herzogtum Ceicla im Süden oder die rebellischen Städte direkt westlich davon. Wie auch immer, alle stürmten den Dämonen am Waldrand mit erhobenen Waffen entgegen, bereit die Brut des Chaos zu vernichten. Alle, außer Christine. Die junge Priesterin griff nach der klobigen Keule und ließ sich dann ruhig auf ein Knie nieder. Den schweren Kopf der Waffe stieß sie auf den Boden und während sie leise vor sich hinflüsterte, legte sie Hände und Stirn vorsichtig an den Griff ihrer einfachen Waffe. Abbendis betrachtete sie verwirrt, den Worten nach sprach sie gerade ein Gebet. Wie konnte man so ruhig bleiben und beten während man von Dämonen angegriffen wurde? Ihre Verwirrung war so groß dass sie sogar vergessen hatte sich dem Angriff auf den Waldrand anzuschließen und eilig drehte sie sich wieder von der Priesterin weg. In diesem Moment sah sie nur noch wie einer ihrer Kameraden mit erhobenem Schwert mitten in einen Feuerball rannte und von den Flammen eingehüllt wurde.
      „Dathrohan!“ schrie Abbendis entsetzt, sie wusste was dieses dämonische Feuer anrichten konnte, es schmolz sogar die besten Rüstungen Belundas und ließ von den Rittern nichts weiter übrig als einen rauchenden Klumpen Metall. Zumindest war es letztens so gewesen, aber als sich der Rauch verzog stand an der Stelle nur ein unverletzter Dathrohan der überrascht an sich herunterblickte. Abgesehen von etwas Ruß auf seinem Panzer hatte er nichts abbekommen und auch einige der Söldner und Dorfbewohner überlebten ein Bad in dem dämonischen Feuer ohne auch nur leichte Verbrennungen zu erleiden. Nur letzte Reste von goldenem Licht, das langsam wieder verschwand, hüllten sie noch ein. Sie erholten sich schnell von ihrer Verblüffung und begannen auf die Dämonen einzuschlagen die sofort zurückwichen als ihr Feuer keine Wirkung zeigte. Vereinzelte Schreie zeugten davon dass nicht jeder so viel Glück hatte vom Segen geschützt zu werden. Ihre Gegner waren zum Glück nur einfache Feuerdämonen und nicht besonders zahlreich, ansonsten hätte die eher dürftige Ausbildung der Priesterin nicht ausgereicht. Sie war noch eine Novizin gewesen als die Schwesternschaft des Sigmar zerschlagen und ihre Ausbildung damit beendet wurde. Das meiste was sie wusste hatte sie auf dem Schlachtfeld gelernt, von anderen Kriegspriestern oder aus eigener Erfahrung. Mit mächtigeren Dämonen oder sogar einem richtigen Hexer des Chaos wäre sie komplett überfordert, vor allem ohne ihren Kriegshammer. Christine war eher mehr Kriegerin als Priesterin und schon bald musste sie ihr Gebet erschöpft abbrechen. Doch abgesehen von den paar Feuerdämonen, die inzwischen entweder tot waren oder sich zurückgezogen hatten, tauchten keine weiteren Diener des Chaos auf. Als sie sich, schwerfällig auf die Kriegskeule stützend, wieder erhob bemerkte sie wie die Menschen sie anstarrten, hauptsächlich mit Bewunderung aber auch mit Unverständnis und vor allem Angst. Diese Leute kannten keine Magie, keine göttlichen Kräfte und Christine fragte sich ob es mit diesem abgerissenen Haufen jemals möglich wäre eine handfeste Invasion des Chaos aufzuhalten.



      2105. Jahr der Sonne, Republik Guerilla, Irgendwo im Nirgendwo

      Sie waren nur noch einen Tag von der republikanischen Hauptstadt entfernt und schon wieder bestand Haruhi darauf dass sie unter freiem Himmel übernachteten. Dabei lag ein paar Meilen hinter ihnen ein hübsches, gemütliches Gasthaus, aber die Silberblatt schien davon nicht viel zu halten. Generell ließen sie auf ihren Befehl hin sämtliche Gasthäuser auf der Strecke einfach links liegen. Zum Glück war der Sommer noch nicht ganz vorbei und das Wetter noch halbwegs in Ordnung, weshalb Kyon nicht allzu sehr protestierte. Diesmal würden sie auf einer kleinen Lichtung nahe der Straße lagern. Besonders vorsichtig mussten sie auf der Reise nicht sein, wovor sollten sie auch Angst haben? Zusammen mit den Leibwachen der Mimir waren sie inzwischen fast 50 Mann, keine noch so dumme Räuberbande würde sie angreifen. Außerdem hatten sie nichts von großen Wert dabei, auch wenn sie diesmal etwas mehr Gepäck mitschleppten als auf der Reise nach Benjii. Haruhi hatte wieder darauf verzichten wollen um so schnell wie möglich voranzukommen aber wie sich herausstellte war Lady Asahina keine besonders gute Reiterin. Bei jedem anderen wäre Haruhi einfach vorausgeritten, aber scheinbar wollte sie ihr neues Spielzeug nicht zurücklassen, also ritten sie etwas gemächlicher. Was Haruhi die perfekte Gelegenheit verschafft hatte ein Packpferd mit allem möglichen Schrott zu beladen. Um genauer zu sein hatte sie den halben Stand mit der deadlischen Mode aufgekauft, nur die Götter wussten was sie damit vorhatte, Kyon ahnte das es nichts gutes sein konnte. Während Kyon mit den anderen ihr Nachtlager vorbereitete waren Haruhi und Asahina verschwunden, tauchten aber nach kurzer Zeit wieder auf...und waren beide nicht mehr wiederzuerkennen. Haruhis Haar hatte vorher fast schon bis zu ihren Oberschenkeln gereicht, wenn sie sich schnell genug umdrehte verhielt es sich wie eine Art Peitsche, zumindest hatte Kyon das vor einem Tag schmerzhaft erfahren müssen. Jetzt dagegen reichte es vielleicht noch geradeso bis zu Haruhis Schulterblättern und ein einziges, gelbes Band schien ihr auch zu genügen.
      „Was ist mit deinen Haaren passiert?“
      „Was soll damit sein?“ Haruhi starrte ihn durchdringend an „Sie sind genauso wie sie sein sollten, gibt es ein Problem damit?“
      „Nein, es tut mir leid.“
      dass ich überhaupt fragte. Hatte sie sich die Haare wegen ihrem Gespräch abgeschnitten? Wenn ja war es wirklich ein wenig drastisch, aber andererseits, irgendwie sah sie mit den kurzen Haaren weniger gefährlich aus, fast schon irgendwie ganz süß...Habe ich das damals wirklich gedacht? Moment, ich muss kurz meinem Vergangenheits Ich eine kleine Lektion erteilen...Mit einem lauten Krachen brach ganz plötzlich, und ganz ohne Hilfe des Erzählers, ein schwerer, morscher Ast von einem der Bäume ab und stürzte direkt auf Kyons Kopf.
      „Ah! Was war denn das?“ der Trellik hielt sich mit beiden Händen den Hinterkopf und trat aufgebracht den verdammten Ast weg ins Unterholz.
      „Kyon, hör auf mit diesem Unsinn.“ fuhr Haruhi ihn an, fast so als wäre es alleine seine Schuld gewesen dass der Ast ihn getroffen hatte. Er wollte ihr eine passende Antwort entgegen schleudern aber etwas anderes lenkte seinen Blick ab, Haruhi hatte die arme Lady Asahina tatsächlich dazu gebracht eines dieser scheußlichen Dinger aus Deadlien anzuziehen. Sie sah aus wie ein...
      ach muss ich mir das wirklich wieder in Erinnerung rufen? Ich meine gut, es war noch eines der harmlosesten Dinge die Haruhi ihr andrehte aber es war trotzdem viel zu peinlich für eine so hochgestellte Adlige wie eine Mimir. Ich hätte damals sofort wütend mein Schwert ziehen sollen aber der Anblick hatte auch was um ehrlich zu sein...wie ein Dienstmädchen, obwohl vermutlich niemand in den Republiken seine Diener wirklich so angezogen hätte.
      „Was soll das?“ fuhr Kyon die Silberblatt aufgebracht an, er hatte doch deutlich genug gesagt dass sie Asahina nicht wie eine Puppe behandeln sollte.
      „Ach beruhig dich Kyon.“ Haruhi hatte ein siegessicheres Lächeln auf dem Gesicht und ließ sich nicht von dem zornigen Trellik einschüchtern „Mikuru hat zugestimmt, sie konnte es sogar kaum erwarten, nicht wahr Mikuru?“
      „J-ja, a-also ich...schon ja.“ Asahinas Blick huschte ängstlich zwischen Kyon und Haruhi hin und her. Mit einemmal wurde Kyon klar warum die Mimir den Befehlen Haruhis ohne jeglichen Widerspruch folgte. Sie war zwar eine Mimir, aber nur zur Hälfte. Die anderen Hälfte war die einer Silberblatt, einer Vanidarin. Scheinbar gab es irgendwas tief in ihr dass es nicht erlaubte der zukünftigen Matriarchin Widerspruch zu leisten, naja oder vielleicht lag es auch nur daran dass Mikuru unglaublich nett war...
      Mist jetzt nenne ich sie auch schon Mikuru, glaubt mir ihr wollt nicht wissen was dieser merkwürdige Name, den Haruhi ihr einfach so verliehen hat, übersetzt bedeutet, vertraut mir...Kyon hätte sich gerne noch etwas mehr aufgeregt aber als Asahina ihm eine Tasse Tee reichte war sein Ärger bereits wieder verflogen, wenn seine Herrin wirklich kein Problem damit hatte sollte er sich vielleicht etwas beruhigen.
      Ohne weitere Zwischenfälle, wofür man dem Erzähler danken sollte, errichteten sie ein Lager und noch bevor die Sonne endgültig untergegangen war hatten sie mehrere Feuer entzündet. Die vier Ritter saßen um ein kleines Lagerfeuer und ließen den republikanischen Wein, welcher ein Geschenk der Mimir gewesen war, in Strömen fließen. Um ein weiteres Feuer hatten sich Haruhi und ihre „Untergebenen“ also Kyon, Asahina und Koizumi versammelt. Natürlich wurde bei dem Lager berücksichtigt dass die einzelnen Parteien der Reisegesellschaft sich nicht leiden konnten. Die königlichen Soldaten saßen ein ganzes Stück abseits an eigenen Feuern. Kyons Republikaner dagegen hatten sich aufgeteilt, einige unterhielten sich mit den vanidarischen Rittern und andere mit den königlichen Soldaten. Scheinbar wollten sie damit eindeutig zeigen dass sie keine Partei ergriffen. Die Ritter schienen es darauf angelegt zu haben den ganzen Wein an einem Abend wegzutrinken, einen Moment lang zweifelte Kyon daran dass sie wirklich in der Lage waren Haruhi zu schützen. Aber als er genauer hinsah erkannte er dass der Wein ihnen nicht ganz so viel ausmachte wie es den Anschein hatte. Die Augen blickten noch immer erstaunlich klar im Lager umher um alles zu beobachten und eine Hand befand sich stets in der Nähe ihrer Schwerter. Einer der Ritter erhob sich plötzlich, schwenkte eine halbleere Falsche Wein dramatisch in der Luft umher und begann eine kleine Rede zu halten, Vanidaren liebten es sich selbst reden zu hören, vor allem wenn sie ein bisschen getrunken hatten. Normalerweise brachte man sie nur mit einem Schwert wieder zum verstummen oder mit dem Befehl der Matriarchin.
      „Auf das Reich Almo, Almo ähm Almodingsda und unseren tapferen König, Konstantin Grander!“ er nahm einen tiefen Schluck aus der Falsche „Dem Mörder von mehr als Zehntausend unschuldigen Frauen und Kindern, dem Mann der fast ganz Vanidos in Schutt und Asche legte, auf dessen Befehl sogar Ceicla ohne Grund niedergebrannt wurde. Trinken wir auf unseren ehrenhaften König, möge seine Herrschaft ewig währen!“ Der Ritter ignorierte die Blicke der königlichen Soldaten und fuhr einfach unbeeindruckt fort „Aber noch viel wichtiger, trinkt auf Herzog Roger Talien Silberblatt. Auf dass seine Seele im Schatten des Weißen Baumes ruht und endlich Frieden findet. Vor über 16 Jahren ritt ich an seiner Seite, er führte uns mit nur 900 Mann bis vor die königliche Hauptstadt und als ich damals die schlanken, weißen Türme sah wusste ich, wir werden sie niederreißen!“
      Damit erregte er dann sogar Haruhis Aufmerksamkeit, die bisher einfach nur gelangweilt ins Feuer gestarrt hatte, sie hielt nicht besonders viel von ihrem nächsten Ziel und ließ sie das auch sehr deutlich spüren. Jetzt aber blickte sie den Ritter mit hellwachen Augen an, Roger war schließlich ihr Vater, auch wenn die Soldaten Konstantins ihn noch vor ihrer Geburt umgebracht hatten.




      „Nun, damals vielleicht nicht aber eines Tages mit Sicherheit. Unter Rogers Führung leisteten wir Großes! Und unter der seines Sohnes mindestens genau soviel. Die Matriarchin, die heilige Tochter des Weißen Baumes schenkt uns ein Lächeln, ein Lächeln für jeden toten Königlichen und bei ihrer Herrlichkeit, es waren verdammt viele! Dreißigtausend Königliche liegen im nördlichen Schlamm. Wir erlegten Dreißigtausend von ihnen! Sie starben an unserem reinen Glauben und gutem nördlichen Stahl. Ich wünschte nur es wären Dreißigtausend mehr!“ Mit einem breiten Grinsen im Gesicht sprach er weiter, die Soldaten schienen inzwischen kurz davor zu sein ihre Waffen zu ziehen. Alles was sie zurückhielt war dass sie bisher nicht den Befehl erhalten hatten Haruhi umzubringen, aber sie würden diese Überheblichkeit der Ritter sicher nicht vergessen. „Die Stadt sie brennt der König fällt. Die Matriarchin sich dem Bösen stellt. Gib acht Konstantin mach lieber kehrt. Die Matriarchin sie erhebt ihr Schwert!“
      „Jerag, es reicht.“ unterbrach ihn Koizumi mit einer beruhigenden Geste, allerdings zeigte sein Lächeln dass er kein bisschen wütend über die Worte des Ritters war.
      Der angesprochene Ritter verneigte sich kurz vor dem Sohn des Herzogs, bevor er weitersprach „Verzeiht, ihr habt natürlich recht, immerhin befinden wir uns nicht gerade in guter Gesellschaft.“
      Damit verschwand er in den Wald um den Wein wieder rauszulassen. Die hasserfüllten Blicke der Königlichen durchbohrten dabei den Rücken des Ritters und Kyon fragte sich langsam ob diese Reise wirklich so eine gute Idee gewesen war.
      „Wäre es nicht besser die Soldaten ein bisschen weniger nunja, zu reizen?“ fragte er Koizumi vorsichtig, der noch immer unbekümmert vor sich hinlächelte.
      „Oh keine Angst, die werden nichts unternehmen bevor der König es befiehlt. Die Matriarchin wird nicht rebellieren solange ihre Tochter von so vielen Soldaten Konstantins umgeben ist. Im Moment ist Haruhi lebend mehr Wert und dabei wird es auch bleiben, es sei denn der König ändert seine Meinung und beschließt das Matriarchinnengeschlecht auszuradieren.“
      „Und was dann? Ihr seid zu Fünft, gegen mehr als 30. Meine Männer werden sich nicht einmischen, ich kann das Leben von Lady Asahina nicht riskieren.“ zumindest das wollte Kyon ein für allemal klarstellen, das war nicht der Krieg der Republiken.
      „Natürlich, etwas anderes habe ich auch nicht erwartet. Das ganze ist eine Angelegenheit zwischen uns und dem König.“ antwortete Koizumi unbekümmert.
      „Du bist offensichtlich felsenfest davon überzeugt dass es bald Krieg geben wird. Ich hatte gehofft die Matriarchin wartet damit bis ihre Tochter wieder sicher in Vanidos ist, alles andere wirkt eher wie Wahnsinn.“ Nicht dass Wahnsinn bei dem Matriarchinnengeschlecht von Vanidarien so ungewöhnlich gewesen wäre, zumindest laut dem König und seinen Anhängern waren die Matriarchinnen nach Jahrtausenden voller Inzucht und grenzenloser Dummheit nicht gerade zu vernünftigen Menschen geworden, falls sie es je gewesen waren. Und wenn Kyon sich Haruhi so ansah fiel es ihm irgendwie erstaunlich leicht diesen Behauptungen zu glauben.
      „Vielleicht, aber der König wird sicher nicht warten bis wir zuerst angreifen. Es ist nur eine Frage der Zeit bis er zuschlägt, das Spionagenetzwerk des Vizekönigs berichtet ihm mehr als genug, er weiß dass die Zeit des Friedens vorbei ist. In seinen Augen ist Haruhis Reise der verzweifelte Versuch die Erbin Vanidariens in Sicherheit zu bringen, weit weg vom drohenden Krieg.“
      „Ist es denn nicht so?“
      „Wenn ja hat es nicht wirklich gut funktioniert.“ erwiderte Koizumi mit einem kurzen Blick auf die königlichen Soldaten. Nachdem sie sich ein paar Minuten einfach nur anschwiegen sprach er weiter „Hat man in den Republiken je darüber nachgedacht sich einem Aufstand anzuschließen? Auch eure Vorfahren kämpften vor 100 Jahren gegen den Usurpator und auf der Seite des rechtmäßigen Königs. Ich denke darüber nach dem Rat in Guerilla ein entsprechendes Angebot zu unterbreiten, aber ich bin mir noch nicht sicher was das angeht.“
      „Und was würde passieren wenn der Rat einwilligt? Genau, der König und sein Heer würden innerhalb von kürzester Zeit in den brennenden Ruinen von Benjii stehen. Die Synkrer würden von Süden aus einmarschieren um ihren angeblichen Anspruch auf die Republiken geltend zu machen, der Doge von Aratar würde von Osten aus in Nurc einfallen um sich weiter beim König einzuschleimen und der Graf von Nordmar über Taldeer. In einem Monat wäre von den Republiken noch weniger übrig als von Vanidarien nach euren ganzen Kriegen. Die Lage der Republiken lässt keinen Bürgerkrieg zu, wie auch? Ich verstehe das niemand der anderen Fürsten Land in Vanidarien fordert, seien wir mal ehrlich, wer will das schon? Aber nur ein Wort des Königs und die Republiken könnten aufhören zu existieren, genauso schnell wie sie damals entstanden sind. Der Rat würde sich niemals auf eure Seite stellen, niemand im ganzen Königreich würde das, naja außer vielleicht das Herzogtum Ceicla, die sind fast genauso lebensmüde. Der Rest hat zu viel zu verlieren.“
      „Nur wenn man nicht gewinnt.“ erwiderte Koizumi mit seinem üblichen Lächeln das wie immer alles mögliche bedeuten konnte...


      Neues Kapitel von Vanidar, Teil 1...
    • ...und Teil 2

      Die Soldaten des Königs gingen Jerag gewaltig auf die Nerven, ohne sie wäre das ganze eine recht angenehme Reise geworden. So dagegen mussten sie jederzeit mit einem offenen Auge schlafen oder noch besser, überhaupt nicht schlafen. Er hatte sich nur ein kleines Stück vom Lager entfernt um dem Ruf der Natur zu folgen, es war gefährlich für die Ritter alleine unterwegs zu sein, die Königlichen schreckten sicher nicht vor einem Angriff zurück um die Vanidaren loszuwerden und Haruhi ganz als Geisel zu nehmen. Ein Rascheln in einem Gebüsch ließ ihn aufhorchen, von einem Moment auf den anderen war sein benommener, trunkener Zustand verflogen und die Hand flog praktisch an den Griff seines Schwertes. Nach einer Weile, gefüllt mit angespanntem Warten, brach nichts weiter als ein Tier aus dem Unterholz. Allerdings kein gewöhnliches Tier, sondern eine der seltenen vanidarische Katze. Sie war schwarz wie die Nacht, etwa so groß wie sein Oberarm und gelbe Muster durchzogen das glänzende Fell.



      „Was machst du denn hier draußen, soweit weg von unserer Heimat?“ Von seiner Vorsicht und Angespanntheit war wenig geblieben, diese Tiere fand man nicht außerhalb von Vanidarien. Generell fand man diese Katzenart nicht mehr in freier Wildbahn und sie wurden nur sehr selten an Fremde verkauft. Der Ritter konnte sich nicht daran erinnern dass jemals eine der Katzen an Außenstehende verkauft wurde und auch von einem Diebstahl war nichts bekannt. Es gab nicht viele dieser Kreaturen, wäre eine gestohlen worden hätte sich das also herumgesprochen. Er ging langsam in die Hocke und hielt der Katze vorsichtig seinen Arm hin. Ohne zu zögern oder Angst vor dem Ritter zu zeigen erklomm sie leichtfüßig den Arm und ließ sich auf der Schulter nieder. Von dort aus starrte sie ihn aus den leuchtenden roten Augen an und er starrte zurück während er sich wieder aufrichtete.
      „Meine Herrin wird sich freuen dich zu sehen, es lenkt sie sicher etwas ab und sobald wir in Gurilia sind lasse ich dich mit einem Boten zurück nach Vanidarien schicken, in den Republiken schlachtet dich der erstbeste Dieb für dein Fell ab.“ Die Katze reagierte auf diese Worte mit einem leisen Fauchen und bevor er wusste was passierte versenkte sie ihre nadelspitzen Zähne in seiner Wange. Nur ganz kurz, dann ließ sie sofort wieder von dem Ritter ab, stieß sich von der Schulter ab und landete sanft auf allen Vieren im Gras.
      „Hey! Verflucht!“ Mit der Hand wischte Jerag sich das bisschen Blut aus dem Gesicht, die Katze hatte nicht besonders fest zugebissen, fast schon spielerisch. Er ging auf sie zu und versuchte die Katze wieder einzufangen, doch sie sprang elegant zur Seite, es fiel ihr nicht besonders schwer dem langsamen und gepanzerten Ritter auszuweichen. Schwer atmend blieb er nach einer Weile stehen, Schweiß lief ihm in Strömen übers Gesicht und er hatte keine Ahnung wieso. Die Rüstung war eher wie seine zweite Haut, normalerweise behinderte sie Jerag kein bisschen. Das Atmen fiel ihm immer schwerer und nur mit viel Mühe gelang es ihm noch einen Fuß vor den anderen zu setzen und langsam auf die Katze zu zutaumeln. Plötzlich gaben seine inzwischen tauben Beine endgültig unter dem Ritter nach. Während er umfiel wie ein nasser Sack und mit dem Gesicht voran auf dem Waldboden aufschlug, war er nicht in der Lage mehr als ein überraschtes Grunzen von sich zu geben. Nichts an seinem Körper gehorchte ihm noch, nicht einmal seine eigene Zunge. Eine zierliche Hand schloss sich um seine Schulter und hiefte den gepanzerten Krieger mühsam auf den Rücken.
      „Wie kann man sich in diesem Schrotthaufen nur bewegen?“ erklang die Stimme einer jungen Frau direkt über ihm. Sie hatte sich neben seinen Kopf gehockt und trug eine Art Kapuzenmantel, jedenfalls konnte er ihr Gesicht nicht richtig erkennen, andererseits lenkte etwas anderes den Ritter bereits mehr als genug ab. Die Spitze eines schlanken Dolches pendelte über seinem linken Auge hin und her, nur wenige Millimeter von ihm entfernt. Mit der anderen Hand strich sie der vanidarischen Katze neben sich übers Fell die zufrieden vor sich hinschnurrte.
      „Hat sie das nicht gut gemacht? Mein Vater brachte ihr das vor vielen Jahren bei, diese vanidarischen Katzen sind erstaunlich kluge Tiere, aber vor allem sind sie resistent gegen einige Gifte. Hauptsächlich solche die sowieso nicht tödlich sind, wie das der Taubnatter. Sie betäubt ihre Beute damit nur, klingt nich besonders aufregend ich weiß. Aber es verhindert auch dass ein Opfer das Bewusstsein verliert, bevor man...nun bevor man damit fertig ist.“
      Ohne weitere Vorwarnung bewegte sie den Dolch gemächlich immer weiter nach unten. Unendlich langsam bohrte sich die Spitze in sein Auge. Ohne das lähmende Gift hätte er vermutlich lauthals geschrien als der Augapfel platzte und die Klinge weiter in seinen Kopf vordrang. Doch bevor die Waffe sein Gehirn erreichen und ihn töten konnte zog die Mörderin sie wieder heraus. Schmerz und Schock spiegelten sich im anderen Auge des Ritters wieder, aber auch Anzeichen von Trotz, er hätte sicher lange durchgehalten bevor er gestorben wäre. Aber sie hatte leider keine Zeit, jeden Moment konnte jemand aus dem nahen Lager sie entdecken. Noch immer unfähig sich zu rühren, sah er mit an wie seine Mörderin sich weiter zu ihm vorbeugte, diesmal würde sie das Messer tiefer in seinen Kopf treiben und sein Hirn durchbohren um es schnell zu beenden. Am schlimmsten war allerdings ihr Lächeln, er konnte zwar nicht viel von ihrem Gesicht sehen, aber dieses unglaublich freundliche Lächeln, zusammen mit der unangemessen freundlichen Stimme machten sie erst richtig angsteinflößend, mehr noch als der Dolch. Ohne sich noch länger mit ihm aufzuhalten schnellte der Dolch herunter und bohrte sich durch das verbliebene Auge ins Gehirn des Ritters und beendete sein Leben. Seine Mörderin wollte gerade aufstehen und verschwinden als vier Männer in den Farben des Königs aus dem Gebüsch in Richtung Lager brachen und sich miteinander unterhielten.
      „Wo ist der Bastard? Dem verpassen wir eine ordentliche Abreibung, dann lernt er vielleicht sein Maul zu ha...was zur Hölle?“ der königliche Soldat verstummte als er das Mädchen über der Leiche des Ritters sah und seine Hand wanderte zum Schwertgriff. Mit einer schnellen, fließenden Bewegung riss sie den Dolch aus der Augenhöhle des toten Ritters und schleuderte ihn auf den vordersten der Soldaten. Die Klinge bohrte sich zielgenau in seine Kehle und er kippte gurgelnd um, während seine Kameraden mit gezogenen Schwertern über ihn sprangen und auf sie zustürzten.
      Die Mörderin verschwand so schnell sie konnte in den dichten Wald und vertraute darauf dass die plumpen Soldaten niemals mit ihr mithalten würden, die vanidarische Katze hatte sich an ihrer Schulter festgekrallt und versuchte nicht von einem irgendeinem Ast getroffen zu werden. Nach einem guten Stück war sie sich sicher den Soldaten entkommen zu sein, als plötzlich ein stechender, grauenhafter Schmerz durch ihren Kopf schoss und sie unter einem überraschten Aufschrei zum stehenbleiben brachte. Sie hielt sich den Kopf mit den Händen und versuchte nicht mehr zu schreien und ihre Verfolger wieder auf sie aufmerksam zu machen, doch schon nach kurzem zwang der Schmerz sie in die Knie. Während ihrer Ausbildung zur besten Attentäterin des ganzen Reiches hatte sie mehr als genug Schmerzen ertragen müssen, es war nicht unbedingt eine angenehme Kindheit gewesen. Als Tochter der zwei erfolgreichsten Auftragsmörder und Leiter der Gilde hatte man sie schon immer eher wie eine Waffe behandelt. Erst vor kurzem war sie aus dem Hauptquartier der Attentätergilde in Nurc verschwunden und hatte sich auf nach Benjii gemacht. Es waren die Stimmen gewesen die ihr diesen Auftrag gaben, die Stimmen die dafür gesorgt hatten dass sie ihre Ausbildung überlebt hatte, die Stimmen die sie nie anlogen oder enttäuschten und dieselben Stimmen die jetzt eine Schmerzenswelle nach der anderen durch ihren Kopf schickten um sie zu bestrafen. Sie wusste nicht genau warum und es fiel ihr nicht gerade leicht nachzudenken während es sich anfühlte als würde jemand ihren Schädel zersägen. Doch dann erinnerte sie sich wieder an ihre richtige Aufgabe und begann leise und angestrengt vor sich hinzuflüstern.
      „V-verzeiht mir, i-ich...ich habe nicht daran gedacht...“ Es war nicht ihre Aufgabe gewesen einen der wenigen richtigen Beschützer von Haruhi zu töten. Sie sollte die junge Silberblatt schützen, genug Königliche Soldaten töten um die restlichen im Ernstfall zu überwältigen, gemeinsam mit den vanidarischen Rittern. Aber sie wollte Haruhi eine Reaktion entlocken, irgendeine. Der Tod des königlichen Soldaten hatte sie nicht weiter gestört, eher gefreut und das war furchtbar langweilig. Sie hatte gehofft die Ermordung eines ihrer Ritter wäre deutlich interessanter. Aber anscheinend schienen die Stimmen nicht dieser Meinung zu sein „Ich werde meinen Fehler wiedergutmachen. Ich werde noch mehr Soldaten töten, viel mehr, ich verspreche es.“




      Es war ein großer Schock für die Vanidaren gewesen als man Jerags Leiche gefunden hatte. Anfangs dachte Koizumi sofort an einen Angriff der Königlichen, dass sie den Ritter abseits der Gruppe überfallen und abgeschlachtet hätten. Aber auch einer der Soldaten war tot, der Dolch in seiner Kehle gehörte nicht dem Ritter, also konnte es nicht geschehen sein während Jerag sich verteidigte. Der Mörder war in dem dichten und dunklen Wald mit Leichtigkeit entkommen. Laut den Königlichen sollte der Mörder sogar nichts weiter gewesen sein als ein Mädchen oder vielleicht eher eine junge Frau, genau hatten sie es im Dunkeln nicht erkennen können. Haruhi ließ sich nur kurz ihren Schock über den Tod des Ritters anmerken, die Krieger auf ihren gewaltigen, gepanzerten Schlachtrössern waren ihr bisher unbesiegbar vorgekommen. Jetzt einen von ihnen in einem namenlosen Wald zu verlieren hatte selbst sie getroffen. Natürlich hatte sie schon nach wenigen Sekunden wieder eine Maske aus purer Langeweile und Gleichgültigkeit aufgesetzt.
      Der nächste Schreck war erst vor etwa einer Stunde gefolgt. Sie hatten sich zum Aufbruch bereit gemacht als plötzlich zwischen den Bäumen ein Pfeil angeflogen kam und sich direkt in die Schläfe eines Königlichen bohrte. Koizumi und einige andere hatten sich schnell von ihrer Überraschung erholt, sie waren in den Wald gehetzt und von Baum zu Baum, von Deckung zu Deckung immer weiter auf die silhouettenhafte Gestalt mit dem Bogen zu. Zwei weitere Pfeile hatten Ziele gefunden, einer war nur knapp an Koizumis Kopf vorbeigezischt und hatte sich in den Soldaten hinter ihm gebohrt. Bevor sie ihn erreichen konnten war der Angreifer in dem Umhang auch schon wieder im Wald verschwunden. Er bewegte sich einfach zu schnell, zwischen den ganzen Bäumen und im Unterholz würden sie ihn niemals einholen. Sie konnten nur eins tun, so schnell wie möglich von hier verschwinden.Wer immer der mysteriöse Angreifer gewesen war, er hatte sauber und auf große Entfernung Löcher in die Köpfe der drei Soldaten gestanzt. Der Angreifer hatte präzise gezielt und seine Ziele getroffen, das konnten keine Fehlschüssen sein. Damit hatte er also nur auf die Königlichen Soldaten gezielt, ansonsten wäre es ein leichtes gewesen Koizumi oder sogar Haruhi selbst zu treffen. Aber wenn der Hauptmann es nicht von alleine erkannte gab es keinen Grund ihn darauf hinzuweisen. Es war besser wenn er nicht erfuhr dass die Vanidaren einen unbekannten Helfer an ihrer Seite hatten. Allerdings blieb die Frage ob es dieselbe Person war die letzte Nacht einen seiner Ritter umbrachte, wenn ja war ihr Verfolger unberechenbar und niemand vor ihm sicher. Zum Glück würden sie die republikanische Hauptstadt in wenigen Stunden erreichen und diesen verfluchten Wald hinter sich lassen. Ob für ihren Verfolger dasselbe galt würde sich allerdings erst noch zeigen.


      Haruhi fand die wilde Hetzjagd aus dem Wald heraus unglaublich spannend und lustig...ich dagegen weniger. Jederzeit hätte zwischen den Bäumen erneut der Angreifer auftauchen können, diesmal vielleicht mit einem Pfeil für mich oder Lady Asahina. Asahina verkraftete das ganze eh nicht besonders gut, seit die ersten Pfeile geflogen waren zitterte sie am ganzen Leib. Sie war einfach zu zart und verletzlich für diese brutale Welt, es zerbrach mir das Herz sie so zu sehen. Trotzdem war sie in Wahrheit stärker als man es vermuten würde, denn auf dem weiteren Weg riss sie sich zusammen und ließ sich ihre Angst nicht mehr anmerken. Zum Glück wurden wir nicht erneut angegriffen, sondern konnten den Wald lebend verlassen und die Tore Guerillas erreichen.
    • 8. Neue Freunde


      Reichlich dezimiert erreichte unsere Gruppe also Gurilia, Hauptstadt der gleichnamigen Republik und nominell auch Hauptstadt der vereinigten Republiken da der Rat dort tagte. Die Stadt selbst ist kreisförmig angelegt worden, mit einem großen Park und dem Rathaus in der Mitte. Die Stadt selbst besteht also aus mehreren 'Ringen' aus Häusern mit ziemlich engen Straßen um es Angreifern zu erschweren auf breiter Front zum Zentrum der Stadt zu gelangen. Zusätzlich waren die Gebäude in der Stadt selbst wie ein Labyrinth angelegt, wie ich dies meine? Nun, sobald man in eines der Häuser stürmt und es durchsucht findet man sicherlich drei bis vier Türen welche entweder auf eine Nebenstraße oder in ein anderes Haus führen konnten. Somit konnten sich diejenigen die sich in der Stadt auskannten schnell durch die Straßen bewegen während potenzielle Feinde sich sicherlich verlaufen würden. Ein System welches sich bereits in der Vergangenheit ausgezahlt hatte, wie Miku... Lady Asahina Haruhi und Koizumi berichten konnte während wir uns durch die engen Straßen kämpften und versuchten ein geeignetes Gasthaus zu finden. Lady Tsuruya hielt sich währenddessen an meiner Seite und führte mich in die Kunst des Feuerspuckens ein, ungebeten. Sie war schon immer ziemlich überdreht und vielleicht auch ein wenig nervig. Wie auch immer, kommen wir zu Lady Asahinas Exkurs zur Geschichte Gurilias.

      2105. Jahr der Sonne, Gurilia, Republik Gurilia


      Nach dem Überfall im Wald war die Stimmung unter den Königlichen und Rittern wohl noch schlechter als zu Beginn der Reise, falls das überhaupt möglich war. Es war nicht undenkbar dass es zu erneuten Reibereien zwischen den Gruppen kommen und man sich vielleicht gegenseitig die Schuld für den Angriff geben würde. Koizumis Versuch die Gedanken der Gruppe auf ein anderes Thema zu bringen endeten schließlich damit dass er Asahina fragte weshalb die Stadt so gebaut wurde wie sie nun einmal gebaut war. Als die anderen Mitglieder der Gruppe hörten dass der Aufbau der Verteidigung diente horchten selbst die Soldaten und Ritter auf, mit Geschichten über Krieg konnte man solche Leute immer wieder ablenken. Dank ihrer Ausbildung an der Akademie konnte Asahina auch ein konkretes Beispiel aus der Geschichte der Republiken bringen in dem die Hauptstadt gar verteidigt werden musste, namentlich der erste Krieg gegen Nordmar vor einigen Jahrhunderten.
      „Die Republiken waren damals bei weitem nicht auf Krieg vorbereitet und die wenigen Milizen die wir hatten schienen zu Beginn des Konfliktes nichts gegen die Krieger Nordmars ausrichten zu können. Die Stadt Taldeer, welche durch ihren freiwilligen Beitritt in die Republiken den Krieg ausgelöst hatte, wurde von einem großen Heer der Nordmarer belagert, ein Entsatzheer aus Benjii wurde abgefangen und aufgerieben während ein großes Heer der Nordmarer nach Gurilia marschierte um den Rat zum Frieden zu zwingen und um Nordmar nach Süden hin zu erweitern. Einer meiner Vorfahren, Loke Mimir, war zu diesem Zeitpunkt der Heerführer der Republiken und organisierte die Verteidigung der Hauptstadt. Zwar war die Stadt schon damals so aufgebaut, jedoch hätte nie einer gedacht dass man die Vorsichtsmaßnahmen wirklich jemals brauchen würde. Es dauerte nicht lange bis die Truppen Nordmars die Mauern überwunden und die Milizen in die Stadt gedrängt hatten, von da an wurde der Kampf jedoch zu einem Alptraum für die Männer des Nordens. Während sie sich durch die engen Straßen kämpften wo sie ihre Übermacht nicht ganz ausnutzen konnten fielen ihnen ständig kleinere Trupps von Milizen aus den Häusern in die Flanke um sich dann schnell zurückzuziehen. Sobald die Nordmarer die Verfolgung aufnahmen und in die Häuser stürmten wussten sie jedoch nicht mehr weiter. Sie probierten auf gut Glück die verschiedenen Türen aus, manche führten sie direkt in eine wartende Patrouille der Stadtwache, manche sorgten dafür dass sie auf eine Gruppe ihrer eigenen Männer trafen und für Verwirrung sorgten. Andere wiederum verliefen sich letztendlich im Labyrinth der Häuser und Straßen dass sie beinahe an das andere Ende der Stadt gelangten und dort zwar so gut wie ungehindert Häuser plünderten, jedoch nicht beim Kampf helfen konnten. Diese Straßenkämpfe zogen sich ganze fünf Tage hin, bis schließlich vom stolzen Heer der Nordmarer nicht mehr als einige wenige hundert Mann blieben welche überall in der Stadt verstreut waren.“ Selbst Haruhi schien an der Geschichte der jungen Adligen Interesse gefunden zu haben und hörte Aufmerksam zu, was durchaus ungewöhnlich war für Haruhi. Nach einer kurzen Pause fuhr Lady Asahina fort „Die Hauptstadt war also durch ein ständiges Zermürben der Nordmarer gerettet worden und Loke Mimir sammelte die verbliebenen Milizen. Zusammen mit Verstärkungen aus Nurc und Linistien gelang es ihm schließlich die Nordmarer Stück für Stück aus den Republiken zu vertreiben und selbst die Belagerung von Taldeer zu brechen. Nachdem die Nordmarer sich also komplett zurückziehen mussten unterschrieben sie schließlich einen Friedensvertrag in dem sie Taldeer als unabhängig und Teil der freien Republiken anerkannten. Jedoch hatte Taldeer in den folgenden Dekaden noch mehrere Konflikte mit unseren nordischen Nachbarn verursacht, welche unsere Milizen jedoch jedes Mal für sich entscheiden konnten.“

      Nachdem Asahina ihren Vortrag beendet hatte war es eine Weile recht ruhig, selbst Tsuruya sagte nichts und begnügte sich damit mit ein paar kleinen Bällen zu jonglieren während sie weiterhin die Straße hinunter ritten. Ein paar Minuten später wurde die Stille endlich von Koizumi gebrochen
      „Wir kommen in diesen Straßen nur langsam voran, sie scheinen wirklich nicht für Pferde gedacht zu sein. Kennt sich hier jemand mit den Straßensystemen der Stadt aus?“ die Frage war zwar harmlos und mit einem freundlichen Lächeln gestellt worden, aber trotzdem klang Kyon leicht misstrauisch als er antwortete.
      „Ich, habe in meiner Zeit in Benjii ein wenig über verschiedenen Karten gebrütet und habe mir einen guten Teil eingeprägt. Ich könnte mich wahrscheinlich zurechtfinden. Warum?“
      „Weil es vielleicht besser wäre wenn einer von uns schon einmal vorausgeht und einige Zimmer in einem Gasthaus mietet. Somit können wir einiges an Zeit sparen wenn der Rest von uns dort ankommt.“
      „Das ist eine gute Idee, du kannst das doch bestimmt für uns machen, stimmts Kyon?“ meinte Haruhi plötzlich und ihre Frage klang dabei viel mehr wie ein Befehl. Bevor der Trellik antworten konnte fügte sie auch schon hinzu „Gut, du kannst uns dann beim Park treffen und den Weg zum richtigen Gasthaus zeigen. Wir passen solange auf dein Pferd auf, bis dann!“ Wiederworte wären wohl einfach nur sinnlos gewesen. Und irgendwie hatten die Vanidaren auch recht, wenn Kyon die Abkürzungen durch das Häuserlabyrinth nehmen würde könnte er tatsächlich als erstes beim Gasthaus sein und einiges an Zeit sparen. Außerdem wäre er dann auch Haruhi für eine Weile los und solange Tsuruya da war würde Asahina wohl auch nichts passieren. Während also gerade eine wahre Menschenmenge aus einer Nebenstraße auftauchte und die Pferde noch weiter behinderte gab Kyon die Zügel seines Pferdes an Koizumi ab und nahm die nächste Tür in das Labyrinth. Die Häuser waren allesamt so organisiert dass die gesamte unterste Etage unbewohnt und praktisch eine Erweiterung der Straße war, in den zwei Etagen darüber hausten dann die Bewohner des Gebäudes. Somit wurde auch niemand dadurch gestört dass der Trellik durch drei Häuser spazierte und schließlich in einer leeren Nebenstraße herauskam. Nun ja, fast leer. Außer ihm befand sich noch eine weitere Person in der Straße, es war ein junges Mädchen ungefähr im selben Alter wie Kyon. Sie hatte blaue Augen und seltsamerweise lange Haare in exakt der selben Farbe. Es gab wohl keinen anderen Menschen auf dieser Welt mit einer solchen Haarfarbe. Das Mädchen hielt die Hände hinter ihrem Rücken verschränkt und kam lächelnd auf Kyon zu.
      „Hallo, mein Name ist Asakura. Du bist Kyon Trellik, nicht wahr?“ Kyon sah sie vollkommen verwirrt an, kannte sie ihn irgendwo her? Eigentlich unmöglich, an jemanden wie sie hätte er sich bestimmt erinnert und wirklich bekannt war der Trellik nun wirklich nicht in den Republiken, woher kannte sie also seinen Namen?
      „Ähm, ja. Ja, ich bin Kyon Trellik. Kennen wir uns?“ Das Mädchen schüttelte den Kopf und kam noch immer näher.
      „Nein, aber unsere Väter hatten einmal miteinander zu tun gehabt.“
      „Achso? Ich wusste gar nicht dass mein Vater so viel mit Leuten zu tun hatte die keine Trelliks oder Mimirs sind. Wie auch immer, wolltest du etwas bestimmtes von mir, Asakura?“
      „Ja, ich wollte dich umbringen.“ meinte das Mädchen noch immer lächelnd während sie plötzlich nach vorn schnellte und dem Trellik einen Schnitt am Oberarm verpasste, in ihrer rechten Hand befand sich plötzlich ein Dolch. Der einzige Grund weshalb es ihn nicht an der Kehle erwischt hatte war dass der junge Leibwächter reflexartig nach hinten gezuckt war als Asakura sich bewegte. „Du bist schneller als ich dachte.“ meinte sie freundlich und stach erneut zu, verfehlte den Trellik jedoch wieder als dieser nach hinten taumelte um dem Stich auszuweichen. Ein weiterer Stich ging ins Leere, sorgte jedoch dafür dass der noch immer verwirrte Trellik zu Boden ging im Versuch dem Dolch auszuweichen. Das Mädchen näherte sich langsam während sie sich einmal um die eigene Achse drehte und etwas Blut vom Dolch durch die Gegend schleuderte. Schließlich fing sie wieder an zu sprechen. „Du musst verstehen, du bist die perfekte Lösung! Du bist ein Republikaner und somit ein unsicherer Faktor, du bist nicht eindeutig hier um Haruhi zu beschützen also darf ich dich umbringen! Andererseits bist du auch kein Königlicher und stehst der Silberblatt näher als diese Trottel womit dein Tod vielleicht auch eine Reaktion hervorrufen kann. Ist es nicht wunderbar? Ich kriege meine Reaktion und es gibt weniger Unsicherheiten die Haruhi gefährden könnten! Also, würdest du dich jetzt bitte töten lassen?“



      Natürlich musste ich ihr die Bitte abschlagen, aber das wusstet ihr ja bereits da ihr diese Worte hier lest. Die interessantere Frage ist vielleicht, wie genau gelang es mir diese Begegnung zu überleben? Nun, sagen wir es so, ich hatte Hilfe. Diese Hilfe kam in Form eines deadlischen Mädchens namens Yuki. Wie kommt ein Mädchen aus Deadlien plötzlich nach Gurilia? Nun, es hat etwas mit ihrer Vorgeschichte zu tun, folgendes geschah etwa ein Jahr zuvor in Deadlien und laut Yuki trug es sich exakt so zu.

      2104. Jahr der Sonne, Bibliothek der Schatten in Deadlien, Yukis Geschichte


      Soviele Bücher. Soviele Leute.
      Soviel Mysteriöses.
      Sie wusste überhaupt nicht, was sie tun sollte, vor lauter Aufregung.
      Sie versuchte schon immer ihre Schüchternheit zu bekämpfen, doch das war wohl unmöglich.
      Die Bibliothek war riesig und dunkel und weit und Silhouetten huschten vorbei und brachten Bücher, katalogisierten sie und so weiter.
      Und sie stand herum, mit einem Buch in der Hand und wusste nicht wie sie handeln sollte. Mit leicht eingeknickten Beinen und zitternden Körper stand sie mitten im Gewusel, unfähig, irgendetwas zu tun.
      Doch das blieb nicht lange so. Jemand tippte ihre Schulter an.
      „Hey, kann ich dir irgendwie helfen?" Fragte der Jemand. Ein junger Mann. Definitiv kein Deadlier, das erkannte auch sie trotz ihrer nervenzerreißenden Spannung. Ein Fremder, scheinbar.
      „Ähm. Äh.."Konnte sie nur erwidern. Sie konnte ihn ja nicht mal richtig ansehen.
      „Möchtest du das da ausleihen?" Er zeigte auf das Buch.
      „Äh, ja, aber..."
      „Hmm, hast du schon eine Bibliothekskarte. Die brauchst du, um das Buch auszuleihen."
      „Ich weiß aber ich traue mich nicht..."
      „Komm mit. Ich helfe dir." Er nahm ihr ruhig und sachte das Buch aus der Hand.
      Und bevor sie auch nur irgendetwas sagen konnte musste sie ihm hinterher, er hatte schließlich das Buch.
      Augenblicke später hielt sie die Bibliothekskarte in ihren Händen, mit der sie das Recht hatte, Bücher auszuleihen...nachdem man sich einer ewig langen Eintragungsprozedur unterzogen hatte die versichern soll, dass man das Buch auch gefälligst wieder zurückbrachte.

      Doch der Junge war kurz darauf verschwunden, wie vom Winde verweht.
      Sie hatte sich nie revanchieren können dafür. Er war ganz nett gewesen. Sie hingegen war unglücklich.
      Sie hatte sich schon immer gefragt, was aus ihr noch werden soll. Sie war klug, das konnte sie sagen, ohne dabei arrogant zu wirken. Sie konnte die Lehren studieren und groß rauskommen, denn mittlerweile war das in Deadlien Normalität geworden. Sie konnte sogar in der Bibliothek arbeiten, wenn sie sich nur trauen würde zu fragen die finsteren Gestalten dort zu fragen.
      Wenn sie nur wüsste, dass jemand in der Bibliothek auf sie aufmerksam geworden ist. Keiner der Angestellten, etwas, was tief verborgen liegt.

      Gedankenverloren wie immer wanderte sie den Weg zurück in das Dorf nahe Schattenstadt, in dem sie wohnte. Es war äußerst kalt und die derzeitige Mode ließ nicht viel Spielraum für Kälte übrig. Die Nacht war windig und sie fröstelte sich ihren Weg zurück.
      Schließlich blieb sie stehen. Eigentlich mochte sie diese Momente. Sie schloss die Augen und hielt die Hand in die Luft und ließ sie oben und ließ sie vom Wind führen, wie einen Fahnenmast.
      Als sie die Augen öffnete, war der Wind verschwunden. Es war mucksmäuschenstill geworden.

      Sie war verwirrt und schloss die Augen erneut. Diesmal wedelte sie ungläubig und zum Spaß mit der Hand.
      Als sie die Augen öffnete, war der Wind zwar immer noch verschwunden, doch dafür war sie von einem seltsamen Licht umgeben. Die Landschaft um sie herum war in einem grellen Blau gehüllt.

      „Du glaubst, dass du kein Schicksal hast. Das du die Welt aus einer zu kleinen Perspektive siehst, nicht?"
      Fragte eine Stimme. Es klang nicht so, als würde sie vom Himmel herabsprechen, sondern als würde der Urheber direkt danebenstehen. Sie klang nicht göttlich. Stattdessen schwangen List, Raffinesse und Feingefühl in der Stimme.
      Soll ich antworten? Fragte sie sich selbst. Sie zitterte am ganzen Körper.
      „Doch du hast ein Schicksal. Du wurdest erkoren, für mich zu arbeiten. Ich kann dir Kräfte geben von denen du zuvor nie geträumt hast, du musst nur eine Aufgabe für mich erledigen.“
      „Wwwwas...was ist meine Aufgabe?" Fragte sie einfach geradeaus.
      „Das wirst du erfahren. Wenn du annimmst, musst du erst einmal warten und ruhen und dich vorbereiten. Sobald die Zeichen richtig stehen, wirst du wissen, was die Aufgabe ist."
      „Ist es gefährlich?"
      „Eine schwer zu beantwortende Frage, denn alles verändert sich, auch die Zukunft. Leicht wird die Aufgabe bei weitem nicht sein aber sei dir sicher, wenn Gefahr drohen sollte, bist du es, die sie ausmerzt. Du wirst nicht wehrlos sein."

      Sie zögerte. Was sollte sie schon großartig sagen zu jemanden, der nicht mal Gestalt hatte? War das nicht unanständig und wurde als Selbstgespräch in Deadlien geahndet? Aber da war jemand, jemand mit einem Angebot.
      Das Angebot, es klang...faszinierend. Ihr Leben war sowieso langweilig und monoton und sie konnte mit ihrem Selbst nichts daran ändern. Was gab es zu verlieren?
      „Ich...ich tue es."
      „Hervorragend, ich wusste du würdest annehmen. Ruhe dich aus, sammele deine Kräfte und mache dich mit der Magie vertraut. Sei in genau einem Jahr in Gurilia, der Hauptstadt der Republiken. Dort wird deine Aufgabe beginnen, aber denke immer an eines, von heute an hast du nicht nur einen mächtigen Freund sondern auch einen mächtigen Feind bekommen. Ein Feind der alles daran setzen wird zu verhindern dass du deine Aufgabe erfüllst. Also, sei stark und ruhe jetzt. Ich werde wieder mit dir in Kontakt treten sobald die Zeit gekommen ist."

      Damit endete das Leben dieses Mädchens. Nein, sie wurde nicht getötet
      Sie kehrte nur als jemand anderes in ihr Dorf zurück. Sie blieb nicht lange dort, denn es gab nur noch Dinge, die hinter sich gelassen werden mussten.

      Sie kehrte an den Ort zurück, der ihr am Vertrautesten schien und begann mit dem Warten..

      ...und so wartete sie, bis zu dem Tag an dem sie plötzlich in einer Straße Gurilias auftauchte und mir das Leben rettete. Wie ihr also seht hatte auch sie mit einer mysteriösen Stimme gesprochen und einen Auftrag erhalten, es scheint in letzter Zeit immer gewöhnlicher zu werden. Ausnahmsweise bin ich der Stimme jedoch dankbar, denn so wurde mir das Leben gerettet. Da stand sie also nun in der Straße mit Asakura und mir, sie erschien einfach wie aus dem nichts. Ein junges Mädchen mit kurzen, lila Haaren und einer Brille mit großen Gläsern, eine recht neue Erfindung aus Deadlien welche Leuten helfen kann die Probleme mit ihrem Sehvermögen haben. Und ja, ihr habt richtig gelesen, lila Haare. Ich habe sie nie gefragt, allerdings könnte es vielleicht mit dem Gebrauch von Magie zu tun haben, oder damit dass sie irgendwelche Stimmen hört. Scheinbar färben sich die Haare ziemlich seltsam wenn man mit ihnen spricht. Wie auch immer, folgendes geschah also nun in dieser Gasse...

      2105. Jahr der Sonne, Gurilia, Hauptstadt der Republiken


      Kurz bevor das Mädchen mit den blauen Haaren heran war flog die Tür eines Hauses auf und ein junges Mädchen mit lila Haaren betrat die Straße. Noch immer lächelnd, allerdings leicht verwirrt, drehte Asakura den Kopf zu ihr und fragte.
      „Wer bist du denn? Und was willst du hier? Du störst mich bei etwas wichtigem.“ bevor sie jedoch noch etwas anderes tun konnte zuckte sie plötzlich zusammen und das Lächeln verschwand aus ihrem Gesicht. Die Stimmen in ihrem Kopf flüsterten auf sie ein, alle auf einmal. Es waren Warnungen, Befehle, Flüche, Schreie des Zorns, alles zur selben Zeit. Die Stimmen schienen alle das selbe zu sagen, 'Vergiss den Jungen, töte das Mädchen. Sofort! Schnell, schnell! Töte sie!' Im Gegensatz zu Asakura schienen die Stimmen zu wissen was es mit der Fremden auf sich hatte, und die Stimmen hatten sie noch nie angelogen. Also wäre es wohl am besten ihnen Folge zu leisten und mit diesem Entschluss rannte Asakura auf die Fremde zu um ihr die Kehle aufzuschlitzen. Die Fremde streckte jedoch nur eine Hand nach vorn und bewegte schnell und beinahe lautlos die Lippen, die Töne die dabei ihrer Kehle entwichen klangen unglaublich seltsam, man konnte es einfach nicht beschreiben. Als der Dolch der Republikanerin ungefähr einen Meter von der Fremden entfernt war leuchtete kurz eine Art blaue Barriere vor ihr auf und schleuderte Asakura mehrere Meter nach hinten woraufhin sowohl sie als auch Kyon verblüfft zur Fremden starrten. Welche nun anfing mit einer monotonen Stimme zu sprechen.
      „Nachricht für deinen Meister. Sein Plan ist fehlerhaft, unausgereift. Wird scheitern. Der Prinz und der Herrscher des Zerfalls leiten ebenfalls Schritte ein. Es wurde ein großer Fehler gemacht, Plan wurde aufgedeckt bevor die Zeit reif war. Ungewöhnlich für ihn. Soll sich zurückziehen und diese Welt verlassen. Richte es ihm aus.“ Die Stimmen in Asakuras Kopf flüsterten wild umher, berieten ihre Möglichkeiten, überlegten wie die anderen davon erfahren haben konnten. Wahrscheinlich hatte das Auftauchen dieser Kraft den Warp doch heftiger erschüttert als gedacht so dass selbst der Prinz es bemerkte. Die Stimmen brauchten Zeit, Zeit die sie hier nicht hatten. Und eine so wichtige Waffe wie diese Republikanerin durfte auch nicht einfach so weggeworfen werden. Es war an der Zeit zu gehen und so sprang Asakura auf und stürmte die Straße hinunter bevor sie in einer Seitentür verschwand und Kyon mit der Fremden allein ließ, immerhin schien diese nicht erpicht darauf zu sein ihn umzubringen. Zumindest noch nicht.

      Die Fremde wandte sich zu Kyon um und sah ihn mit einem ausdruckslosen Blick an.
      „Kyon Trellik?“ Irgendwie schien jeder Bewohner innerhalb und außerhalb der Republiken seinen Namen zu kennen, langsam wurde die ganze Sache unheimlich. Einen Moment dachte der Leibwächter darüber nach einfach 'nein' zu sagen, allerdings hatte dieses Mädchen ihm gerade das Leben gerettet und es irgendwie geschafft eine blaue Barriere zu errichten. Ein wenig Höflichkeit war also schon angebracht.
      „Ja, der bin ich. Vielen Dank für die Hilfe, ähm..“
      „Yuki.“
      „Yuki... und weiter?“
      „Yuki.“
      „Ähm, gut. Yuki. Vielen Dank für deine Hilfe, wie hast du das eigentlich gemacht? Das war ein ziemlich überzeugender Trick.“ Kyon hielt es für besser vorerst nicht auf die seltsamen Worte der Fremden einzugehen, also die wo von einem Prinzen und einem Herrscher des Zerfalls die Rede war. Soweit Kyon wusste gab es momentan keinen wirklichen Prinzen in Almodozasra, König Konstantin hatte noch immer keinen Erben gezeugt und keine lebenden, männlichen Verwandten mehr. Wer auch immer dieser Prinz war, aus Almodozasra war er nicht.
      „Kein Trick, Magie.“ Ja, genau. Magie. Als wenn der Tag nicht noch verrückter werden konnte. Zu diesem Zeitpunkt kamen mir zum ersten mal ernsthafte Zweifel an meiner geistigen Gesundheit, aber nein. Ich habe es mir leider nicht eingebildet.
      „Magie? Wie meinst du das? Du wirst doch wohl keine richtige Magie meinen, oder?“
      „Doch. Du reist mit Haruhi Silberblatt?“ Schon wieder. Haruhi hier, Haruhi da. Haruhi, Haruhi, Haruhi. Warum interessiert sich jeder für dieses Mädchen? Verrückte Attentäterinnen, verrückte Magierinnen aus Deadlien und natürlich die Kronländer. Gut, heute weiß ich warum sich alle für sie interessieren, aber damals fing es leicht an mir auf die Nerven zu gehen.
      „Ja, das tue ich. Kennst du sie?“
      „Nein.“ Es folgten gut und gerne drei Minuten schweigen in denen Kyon einfach nur da saß und die Deadlierin anstarrte. Als sie nichts sagte stand er, endlich, vom Boden auf und meinte
      „Gut, noch einmal vielen Dank für deine Hilfe, kann ich dir mit irgendwas helfen? Als Gegenleistung?“
      „Ja.“
      „Und was?“
      „Bring mich zu Haruhi Silberblatt. Ich werde euch begleiten.“ Natürlich könnte Kyon einfach ablehnen und weggehen, andererseits waren da zwei Dinge die ihn daran hinderten. Zum ersten, dieses Mädchen schien wirklich eine Art Magierin zu sein, immerhin hatte sie einen Dolch abgefangen der ihr eigentlich die Kehle aufgeschlitzt hätte. Es sei denn Kyon war gerade auf den aufwendigsten Trick eines Gauklers hereingefallen den es jemals gab. Zum zweiten war das verrückte Mädchen mit den blauen Haaren noch immer in der Stadt und schien es auf seinen Tod abgesehen zu haben. Da konnte es nicht schaden diese Yuki mitzunehmen. Haruhi würde sicher nichts gegen extra Gesellschaft auf der Reise haben, zumal dieses Mädchen aus Deadlien war und somit sicher für ein wenig Abwechslung sorgen würde.
      „In Ordnung, ich schätze ich bin es dir schuldig. Komm mit, ich wollte sowieso ein Gasthaus für die Gruppe mieten.“
      „Gut, Eines noch, Haruhi Silberblatt darf nicht erfahren was sich hier abgespielt hat.“
      „Bitte was? Warum nicht?“
      „Richtige Erklärung dauert zu lange, kurze notwendig. Haruhi Silberblatt hat große Kräfte, kann die Welt nach ihren Vorstellungen verändern. Ist sich dessen nicht bewusst und kann die Kraft nicht kontrollieren. Wenn sie herausfindet dass Magie echt ist könnte es unvorhersehbare Konsequenzen haben. Es ist wichtig dass sie nichts hiervon erfährt, vorerst.“

      Nun hatte ich es also auch aus einer zweiten Quelle gehört. Damit schien zumindest eine Person außerhalb von Vanidarien an Haruhis Göttlichkeit zu glauben, oder zumindest daran dass sie gottgleiche Kräfte hat. Der Weg zum Gasthaus verlief ohne größere Zwischenfälle und ich konnte genug Zimmer für alle mieten bevor ich mit Yuki in Richtung Park ging um den Rest der Gruppe zu treffen. Zu ungefähr dieser Zeit trafen auch an die 500 Menschen, darunter drei Ritter, eine Priesterin aus einer anderen Welt, hunderte rachsüchtige, bewaffnete Bauern und einige Hundert Söldner in den Ländereien des Renault Morgraine ein, oder zumindest dem was davon übrig war...

      2105. Jahr der Sonne, Herzogtum Belunder nahe Burg Stratholme




      Verwüstete Felder und verbrannte Hütten und Häuser dominierten die Landschaft auf dem Weg nach Stratholme, der Burg welche Renault Morgraine gehörte, dem Schlächter von Celen wie er auch von einigen genannt wird. Während des Überfalls von Belunda auf die Ceiclaner vor knapp 16 Jahren tötete er allein angeblich 50 Soldaten. Ob dies nun der Wahrheit entsprach oder nicht, im Laufe des Krieges hatte er sich als guter Kämpfer und recht fähiger Stratege erwiesen und als Lohn die einzigen wirklich befestigten Ländereien in den Einöden bekommen. Die Einöden waren ein recht großes, leeres Gebiet an der Grenze zu Aratar, Deadlien, den Republiken und Synkrien. Außer einigen wenigen, kleinen Dörfern und Stratholme gab es hier überhaupt nichts. Trotzdem waren es recht ordentliche Besitztümer für einen einfachen Ritter und so nahm Renault dankend an. Momentan sah es jedoch so aus als wenn Belunda im Krieg wäre, sämtliche Dörfer und Gehöfte in der näheren Umgebung der Burg deren Mauern in nicht allzu weiter Entfernung zu sehen waren schienen geplündert und niedergebrannt worden zu sein. Bisher hatte man keine Überlebenden gefunden die man zu den Geschehnissen hätte befragen können und daher setzte die große Truppe unter dem Befehl der Ritter ihren Weg fort. Als sie nur noch eine knappe Stunde von den Mauern entfernt waren näherte sich eine recht große Gruppe an schwer bewaffneten Rittern, Dathrohan schätzte die Anzahl auf mindestens 50 Ritter, was höchstwahrscheinlich alles war das Lord Fordring aufbieten konnte wenn man bedachte dass er kein allzu reicher Adliger war. Abbendis, Dathrohan, Morgraine und Christine, welche ebenfalls ein Pferd bekommen hatte, ritten den Männern entgegen während die Flüchtlinge und Söldner anhielten und abwarteten was wohl passieren würde. Der Anführer der Ritter, ein Mann mit schwarzen Haaren und einem Vollbart begrüßte die vier mit einem Kopfnicken.
      „Ich grüße euch, Reisende. Ich bin Sir Wrynn, Ritter in Diensten Lord Fordrings und für die Ausbildung seiner sowie der Stadtwache verantwortlich. Wie kann ich euch helfen? Und warum reist ihr mit so einer großen Gruppe, Moment. Seid ihr das, Sir Morgraine?“
      „In der Tat, wir haben uns lange nicht mehr gesehen Sir Wrynn. Das letzte Mal war es wohl auf dem Turnier zu Lord Fordrings vierzigsten Geburtstag. Wie auch immer, ihr könntet uns helfen indem ihr dafür sorgt dass unsere Freunde da hinten sicher nach Stratholme gelangen und zumindest akzeptable Unterkünfte kriegen, denkt ihr dass ist möglich?“
      „Was? Nun, ich denke einige können in Gasthäusern untergebracht werden, ein Großteil wird jedoch kein Dach über dem Kopf haben. Worum geht es hier überhaupt? Wer sind diese Leute? Und was führt euch hier her? Das letzte was ich hörte war dass ihr Beilando verlassen habt nachdem ihr irgendwelche Geschichten über Dämonen verbreitet habt. Was also macht ihr hier?“
      „Dies sind die Bewohner des Dorfes Lordaeron. Sie wurden zehn Jahre lang von Dämonen belagert, daher hatte man jeglichen Kontakt mit dem Dorf verloren. Es gelang uns eine Schneise durch die Kreaturen zu schlagen und das Dorf zu evakuieren. Und da erschien uns Stratholme die sicherste Zuflucht für diese Menschen. Scheinbar gibt es hier jedoch auch Probleme, Häuser und Felder brennen sich nicht von alleine nieder.“
      „Wir haben Probleme mit einer Bande von Plünderern, wenn man sie überhaupt noch Plünderer nennen kann. Es müssen knapp 100 sein, vielleicht sogar noch mehr. Wir sind vor zwei Tagen auf eine kleine Gruppe von ihnen gestoßen, es waren nur zehn Mann. Trotzdem war es ein harter Kampf bis wir sie endlich erledigt hatten. Wie ich höre sprecht ihr noch immer von Dämonen, ich würde euch nicht glauben wenn nicht einer meiner Männer vor kurzem meinte er hätte eine seltsame Kreatur in den Wäldern herumstreifen sehen. Allerdings hatten wir nie einen Angriff dieser Bestien, nur einzelne Sichtungen. Und unser größtes Problem sind wie gesagt diese Plünderer, man kann sie nicht einmal mehr Menschen nennen, es sind eher wilde Bestien. Jeder von ihnen überragt einen normalen Mann um mindestens einen Kopf und sie alle sind äußerst muskulös, wenn ich es nicht besser wüsste würde ich sagen die Piraten des Nordens sind bis nach Belunda gekommen.“
      „Chaosbarbaren.“ kam es auf einmal von der Priesterin und alle wandten sich zu ihr um.
      „Bitte was? Chaosbarbaren? Wer seid ihr überhaupt?“
      „Dies ist Christine von Rauken, sie ist nicht aus Almodozasra und ihre Heimat wurde seit hunderten Jahren von diesen Dämonen heimgesucht, sie ist die einzige die zumindest ein wenig weiß was hier vor sich geht. Diese Dämonen sind scheinbar Ausgeburten von etwas namens Warp und Diener irgendwelcher Chaosgötter, mehr wissen wir auch nicht.“ erklärte Morgraine und Christine fügte hinzu
      „Genau, und die Menschen welche sich dem Chaos verschrieben haben und zulange dem Warp ausgesetzt waren werden Chaosbarbaren, große, wilde und muskulöse Kampfmaschinen die alles tun würden um ihren Göttern zu gefallen. Habt ihr ein Banner gesehen? Oder haben die Barbaren irgendwas gerufen als ihr sie bekämpft habt?“ Sir Wrynn überlegte kurz bevor er antwortete
      „Ein Banner habe ich nicht gesehen, aber sie riefen etwas wie 'Für den Herren des Wandels' oder so ähnlich. Warum?“
      „Es bestätigt meinen Verdacht, bisher scheint nur ein Chaosgott sein Auge auf diese... auf dieses Königreich geworfen zu haben, Tzeentch. Er gilt als der Herr des Wandels der tausende Pläne entworfen hat von denen niemand weiß was sie letztendlich bewirken sollen, Gerüchten zufolge nicht einmal Tzeentch selbst. Wie auch immer, die Dämonen die mir bisher hier begegnet sind waren eindeutig seine und die Barbaren scheinen auch ihm zu dienen. Wie es aussieht hat er nur wenige Diener hier in eurem Reich und will mit ihnen langsam aber sicher die kleineren Dörfer übernehmen und wahrscheinlich als Opfer nutzen um weitere Dämonen zu beschwören und sich letztendlich die größeren Städte vorzunehmen, dies ist zumindest meine Theorie. Allerdings bezweifle ich dass der Plan dieses Gottes so leicht zu durchschauen ist.“

      Nach den Worten der Priesterin herrschte eine Weile schweigen bis Sir Wrynn schließlich einen Seufzer vernehmen ließ
      „Wenn dies stimmt ist die ganze Sache noch schlimmer als erwartet, wie auch immer momentan können wir wohl nichts tun. Ihr und die Dörfler könnt uns bis nach Stratholme begleiten, wir werden sehen ob wir sie nicht irgendwo unterbringen können.“
      „Die meisten der Männer haben Erfahrung im Kampf gegen die Dämonen und könnten sicherlich in der Stadtwache arbeiten, sie sinnen eh auf Rache.“ warf Dathrohan ein und deutete auf die Dorfbewohner. „Sollte es je zu einem Angriff der Dämonen kommen, können sie bestimmt besser helfen als der Rest eurer Stadtwache.“ Sir Wrynn nickte nur kurz bevor er das Signal zum Aufbruch gab welches von Morgraine an die Dörfler weitergeleitet wurde. Während die Gruppe nun ihren Weg auf der Straße fortsetzte ritt Morgraine zu Christine hinüber
      „Lady Christine?“
      „Ja, was gibt es?“
      „Was ihr während des Angriffes der Dämonen getan habt, dieser... Schild der Dathrohan gerettet hat. War das Magie?“
      „Man könnte es eine Art Magie nennen, ja. Eigentlich sind es mehr Gebete an meinen Gott, Sigmar. Aber es ist irgendwie auch eine Art der Magie, es ist ein wenig schwierig es zu erklären. Zumindest jemanden der noch nie von Magie gehört hat, oder Sigmar.“
      „Gebete also? Wäre es möglich dass ihr mir so etwas beibringen könntet? Oder einigen anderen Rittern? Wenn wir diese Magie verwenden könnten wäre es uns sicherlich möglich besser gegen die Dämonen zu bestehen.“ Die Priesterin zögerte eine Weile mit ihrer Antwort. War es diesen Menschen überhaupt möglich Magie zu lernen? Und sollte sie überhaupt irgendwelchen Fremden so etwas beibringen? Andererseits wäre dies vielleicht eine der wenigen Möglichkeiten für den selbsternannten Kreuzzug gegen die Dämonen zu bestehen.
      „Ich bin mir nicht sicher, wir könnten es zumindest versuchen. Ich kann euch allerdings nichts versprechen. Am besten ihr sucht einige wenige Leute aus von denen ihr euch sicher seid dass sie geduldig genug sind das Training durchzuziehen, es kann vielleicht etwas länger dauern bis ihr Resultate seht, wenn es überhaupt funktioniert.“ Morgraine nickte dankbar
      „Das ist alles was ich von euch hören wollte, habt vielen Dank. Ihr werdet sehen, wir werden es schaffen.“ Mit diesen Worten begab sich der Ritter zu seinen Freunden um ihnen die gute Nachricht mitzuteilen. Christine hingegen war noch immer nicht überzeugt dass diese vergleichsweise kleine Gruppe an bewaffneten Bauern und einigen Rittern ausreichen würde um den Herren des Wandels auch nur herauszufordern...

      So begab sich also der Kreuzzug nach Stratholme um sich dort mit Lord Fordring zu beraten. Zu diesem Zeitpunkt hätte wohl niemand erwartet dass aus diesem kleinen Haufen von Bauern und Holzfällern einmal ein ernstzunehmender Orden werden würde der sich der Bekämpfung von Dämonen verschrieben hat und alles tut um diese auszurotten. Doch nur wenige Monate später würde es in jedem Fürstentum in unmittelbarer Nähe knapp 1.000 Männer in den Farben des Kreuzzuges geben und immer war der Anblick ihres Banners und ihrer strahlenden, roten Rüstungen ein Grund zur Freude bei den armen Dörflern des Königreiches welche von Dämonen geplagt wurden. Ich greife den Ereignissen aber mal wieder voraus. Fürs erste sollten wir zurück nach Gurilia gehen wo Haruhi mal wieder ein neues Mitglied für unsere Gruppe gefunden hatte, ein äußerst seltsames Mitglied wohlgemerkt...

      Mein Kapitel musste dieses mal auch geteilt werden^^

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    • 2105. Jahr der Sonne, Gurilia, Hauptstadt der vereinten Republiken.

      Nach dem Abenteuer in der Seitenstraße welches den jungen Leibwächter fast das Leben gekostet hätte schaffte Kyon es tatsächlich ein Gasthaus für sich, Asahina, Koizumi, Yuki, Haruhi und die ganzen Leibwachen zu mieten. Mieten ist allerdings relativ, immerhin gehörte das Gasthaus seiner Mutter, Cornelia Raan, wodurch die Übernachtung gratis war. Die Raan waren eine der reichsten Adelsfamilien der Republiken und es geschah nur äußerst selten dass einer von ihnen sich in eine ärmere und weit schwächere Familie einheiratete, Cornelia brach jedoch die Tradition immer nach den Reichen und Mächtigen Ausschau zu halten und heiratete einen Trellik. Andererseits brauchte sie auch keinen einflussreichen Mann zu heiraten da sie eh schon einen Sitz im Rat hatte und gut mit Jeanette Linda befreundet war, von daher konnte ihr auch ihre Familie diesen kleinen 'Fehler' verzeihen. Also wartete Kyon vor dem Gasthaus auf Haruhi und die anderen, und das mehrere Stunden lang. So lange dürfte es eigentlich nicht dauern sich durch die Straßen Gurilias zu kämpfen und Kyon war kurz davor die Stadt nach der Gruppe zu durchsuchen als ein abgekämpfter Koizumi und eine nicht minder erschöpfte Asahina zusammen mit einer strahlenden Haruhi die Straße zum Gasthaus erreichten.
      „Wo wart ihr solange?“ fuhr Kyon sofort den Vanidaren an der nur entschuldigend lächelte und zu Haruhi deutete. Erst jetzt fiel Kyon auf dass sie etwas in ihren Armen hielt. Und als er erkannte was es war klappte ihm der Unterkiefer herunter. Es war nichts anderes als ein republikanischer Bergbär.
      Für diejenigen unter euch die nicht aus den Republiken stammen ist wohl eine Erklärung angebracht. Republikanische Bergbären sind sehr, sehr, sehr selten. Selbst in ihrer Heimat, den Bergen, trifft man sie nicht oft. Wie dieser sich nach Gurilia verlaufen konnte kann ich mir ganz und gar nicht vorstellen. Wie auch immer, ein Bergbär ist, zumindest im jungen Alter, recht klein. Er ist nicht größer als 80 Centimeter und läuft aufrecht auf zwei Beinen, eine besondere Eigenart dieser Rasse. Zusätzlich haben sie große, ein wenig spitze, Ohren auf ihrem Kopf sitzen und ein Fell dessen Farbe von grün bis grau variieren kann. Ein ausgewachsener Bergbär konnte ganze zwei Meter groß werden und ist meist unglaublich fett, glücklicherweise sind diese Tiere Pflanzenfresser und ziemlich friedlich, wenn also jemand von einem Bergbär getötet wird ist dieser also höchstwahrscheinlich auf dem Unglücklichen eingeschlafen und hat ihn zerquetscht.



      „Das ist...wie... wo hast du den her?“ fragte Kyon ungläubig, noch immer auf den Bär starrend.
      „Ich wollte eine kurze Pause haben da wir eh fast stillstanden. Da habe ich gemerkt wie der kleine hier versucht hat etwas zu Essen aus unseren Taschen zu stehlen. Der ist so süß, den musste ich einfach haben! Ist er nicht niedlich Kyon?“ fragte Haruhi und drückte den kleinen Bären fast in das Gesicht des Republikaners. Der Bär schien äußerst zufrieden mit seiner Situation zu sein und kaute an einem Apfel den er wahrscheinlich von Haruhi bekommen hatte während er Kyon mit neugierigen Augen ansah.
      „Ich nehme an sie hat euch gezwungen den Bären zu jagen und einzufangen?“ fragte Kyon an Koizumi und Asahina gewandt. Beide nickten zustimmend und Kyon seufzte, wie kommt so ein Bär überhaupt nach Gurilia?
      „Gut, du hast ihn gefangen. Wir sollten ihn freilassen und in die Berge zurückschicken, das wäre am besten für alle denke ich.“
      „Vergiss es, den werde ich behalten.“ meinte Haruhi und sah Kyon mit einem wütenden Funkeln in den Augen an. „Der ist super niedlich und mag es bei mir. Ich werde ihn Mampfi nennen. Ihm gefällt es bei mir, stimmts Mampfi?“ Anstatt zu antworten machte der Bär seinem neuen Namen alle Ehre und mapmfte munter an seinem Apfel weiter während seine Augen förmlich zu strahlen schienen.
      „Das ist ein Bergbär, du kannst ihn doch nicht einfach mit dir rumschleppen und...“ Kyon brach ab als Haruhi ihn einfach mit einem strahlenden Lächeln ansah und den Bergbären neben sich hielt der ebenfalls vollkommen glücklich zu sein schien. Gegen soviel Fröhlichkeit und Niedlichkeit konnte Kyon einfach keine Argumente mehr finden und er beschloss die ganze Sache einfach zu ignorieren in der Hoffnung dass Haruhi es sich am nächsten Tag anders überlegen würde. Ja klar, als ob. Währenddessen stellte Tsuruya die wichtige Frage
      „Wer ist dieses Mädchen da?“ und deutete auf Yuki. Scheinbar wurden erst jetzt alle auf die Deadlierin aufmerksam und Kyon begann zu erklären.
      „Dies ist Yuki aus Deadlien. Ich traf sie hier vor dem Gasthaus. Und sie ist genau wie Haruhi sehr an alten Legenden und Mythen interessiert weshalb sie ebenfalls durch die Republiken reist. Sie würde sich sehr freuen wenn sie uns begleiten könnte. Ich nehme an das ist für alle in Ordnung?“Kyon war relativ froh dass er sich auf die Schnelle eine halbwegs glaubhafte Geschichte ausdenken konnte. Auch wenn er sich noch immer fragte warum er nicht die Wahrheit sagen durfte.
      „Ist das wahr, Yuki?“ fragte Haruhi aufgeregt und die Deadlierin nickte. „Super! Du darfst uns gerne begleiten! Du kannst uns bestimmt ein paar tolle Dinge auf der Reise zeigen und ein paar gute Geschichten erzählen! Du hast die Zimmer gemietet, Kyon? Super! Dann lasst uns reingehen und essen ich habe Hunger!“

      Haruhi wie ich sie kenne und ähm, na ja, kenne. Wie auch immer, der Tag war ein großer Erfolg sowohl für Haruhi als auch für mich. Haruhi wurde ein wenig von der für sie langweiligen Reise nach Gurilia abgelenkt, bekam ein neues Haustier und eine interessante Reisegefährtin. Und was ich davon hatte? Nun, Haruhi hatte nun ein Haustier also hoffte ich zumindest dass sie für eine Weile von Lady Asahina ablassen würde. Heute weiß ich natürlich wie dumm diese Hoffnung war, damals konnte ich es jedoch nicht ahnen was Lady Asahina noch alles durchstehen musste im Laufe unserer Reise...

      Spoiler anzeigen
      Kapitel von mir, aber vielen Dank an Deadly Shadow der die Einleitung für Yuki geschrieben hat. NICHT der Deadly Shadow in diesem Forum, sondern aus einem anderen. Ich bin mir gerade nicht sicher ob er sich auch hier rumtreibt, falls ja jedenfalls nicht unter "seinem" Namen. Zum Großteil ist es so geblieben wie ich es von ihm bekommen habe, nur ein paar Sätze mussten geändert werden damit es wieder ganz passt :)

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    • Ein Buch werden wir wohl nicht draus machen, da könnte es eventuell ein paar Probleme mit Schreibern und "Eigentümern" diverser Fantasyuniversen geben :laugh:
      Aber schön dass es gefällt, wann es weitergeht weiss ich allerdings nicht, ich bin gerade im Urlaub und noch für eine ganze Weile weg, von Vanidar hatte ich jetzt schon eine Weile nichts mehr gehört und schätze dass der auch im Urlaub ist. Das nächste Kapitel kann also eine Weile dauern^^
    • 9. Eine Göttin, geht mir langsam auf die Nerven:


      [IMG:https://dl.dropboxusercontent.com/u/77559445/God%20is%20a%20Girl/Stammbaum%20Rome.png]
      Nicht wirklich schön, aber...ach ich bleib einfach bei nicht schön



      Nachdem wir im Gasthaus angekommen waren, wollte Haruhi sofort und auf der Stelle die ganze Stadt besichtigen. Am besten alles gleich an einem einzigen Tag, damit sie bald zu den interessanteren Orten wie Nurc oder den Eisenbergen aufbrechen konnten. Den Bergbären ließ sie bei den restlichen drei Rittern ihrer Leibwache im Gasthaus zurück. Als ich sie fragte, warum sie ihr ach so geliebtes, neues Haustier nicht mitnahm, antwortete sie „Was ich vorhabe könnte vielleicht ein klein wenig gefährlich werden und ich möchte nicht dass dem süßen Mampfi etwas passiert.“ Meine nächste Frage war natürlich recht vorhersehbar, kümmerte es sie denn nicht mal ein wenig ob man uns verletzte? Tja, Haruhis Antwort darauf war ein einfaches, fröhliches „Nein.“

      Jap, das half sicher sehr dabei meine Laune anzuheben. Ich war vielleicht noch immer ein wenig durch den Wind, weil man gerade versucht hatte mich umzubringen. Ich nahm mir vor, diese Yuki am Abend auszufragen, wer war sie? Warum hatte sie mich gerettet? Wo kam sie überhaupt her? Sicher nicht aus Deadlien, selbst da gab es keine Magie, falls ich mir das nicht nur eingebildet hatte. Aber wie auch immer, erstmal musste ich die kleine Gruppe durch das schier endlose Straßenlabyrinth von Guerilla führen. Der Tag war noch jung und ich war ebenfalls eifrig bemüht den Rundgang durch die Stadt so kurz und schmerzlos wie möglich zu gestalten, je eher ich wieder zuhause im gemütlichen Benjii wäre, desto besser für Alle, naja hauptsächlich für mich. Koizumi schien sich wunderbar mit unserem Neuzugang aus Deadlien zu verstehen. Kein Wunder, immerhin teilten sie beide die verrückte Ansicht Haruhi wäre eine Art Göttin. Die ganze Zeit über ging er neben Yuki her und unterhielt sich mit ihr. Um genau zu sein, redete nur Koizumi und sie nickte hin und wieder ruckartig zu seinen Worten. Ihm schien das allerdings völlig auszureichen, denn am Ende ihres Gesprächs trug er ein unglaublich nervtötendes, allwissendes Lächeln auf den Lippen, fast so als hätte Yuki ihm gerade sämtliche Geheimnisse der Welt verraten. Haruhi dagegen war ruhig und in sich gekehrt, immer ein schlechtes Zeichen bei ihr. Sie trug eine weiße Bluse mit blauem Kragen und einen viel zu kurzen, blauen Rock. Warum konnte sie sich nicht einmal wie eine vernünftige, normale Adligen anziehen? Bloß Lady Asahina war wundervoll und freundlich wie eh und je. Nur einmal wich sie kurz von meiner Seite. Als ich mich nach ihr umdrehte, konnte ich nur noch sehen dass sie sich mit irgendwem in der Menschenmenge unterhielt. Die vielen, drängelnden Bürger versperrten mir leider die Sicht auf diese Person, aber Asahinas Miene hatte einiges von ihrem fröhlichem Strahlen verloren als sie zurückkehrte.


      2105. J.d.S. die vier Republiken, Republik Guerilla


      Den halben Vormittag hatten Lady Asahina und Kyon sie durch den großen Park im Herzen der republikanischen Hauptstadt geführt. Man bezeichnete ihn auch als den ´Park der Freundschaft` weil er Pflanzen aus allen vier Republiken enthielt und die Verbundenheit zwischen ihnen zeigen sollte. Das wäre sogar irgendwie ganz glaubhaft gewesen, aber leider erhob sich direkt daneben die Halle des Rates. Die wütenden Rufe der Streitenden Ratsmitglieder drangen oft durch die offenen Fenster und störten die Ruhe des Parks, aus diesem Grund begann man es irgendwann auch scherzhaft ´Halle des Hasses` zu nennen. Der vereinte Rat der Republiken liebte es sich wegen jeder Kleinigkeit gleich an die Gurgel zu gehen, in den schier endlosen Jahren des anhaltenden Friedens hatten sie auch ehrlich gesagt nichts besseres zu tun. Kyon wollte die Besichtigung des Ratsgebäudes mit den Silberblättern so schnell wie möglich abwickeln, damit sie mit Haruhi nicht auf irgendwelche hochrangigen Politiker trafen. Er jagte sie fast schon durch die Korridore, doch es half alles nichts. Seine schlimmsten Befürchtungen traten ein, sie trafen auf die Ratsmitglieder, als diese gerade zur Mittagszeit aus dem großen Versammlungssaal strömten.
      „Wer von denen ist das Ratsoberhaupt?“ fragte ihn Haruhi und versuchte dabei auffällig unschuldig zu klingen, während sie den Blick über die Vertreter der Adelsfamilien schweifen ließ, es waren nur etwa drei Dutzend, nicht einmal die Hälfte des Rates. Anscheinend gab es im Moment nichts wichtiges zu besprechen.
      „Jeanette Linda, die Frau mit den langen, hellbraunen Haaren dort hinten.“ antwortete Kyon arglos, es war im Park so schön ruhig gewesen dass seine Achtsamkeit stetig nachgelassen hatte. Was sollte Haruhi schon schlimmes anstellen? Zu der Frau rübergehen und das Ratsoberhaupt einfach so zu Tode nerven? Kaum war ihm dieser furchtbare Gedanke gekommen, als Haruhi sich tatsächlich in Bewegung setzte.
      „Hey du.“ Haruhi stand jetzt vor der Frau, die kurz überrascht blinzelte, bevor sie ihr Gesicht wieder unter Kontrolle hatte und ihre übliche gleichgültige Maske aufsetzte.
      „Wer ist das?“ fragte Jeanette mit kühler, beherrschter Stimme. Nur wer sie wirklich gut kannte, also praktisch niemand, hätte leise die unterdrückte Wut aus ihrer Stimme herausgehört.
      „Haruhi Silberblatt, Tochter von Tegara der Matriarchin von Vanidarien.“
      „Und, was möchte Eure Göttlichkeit von bescheidenen Sterblichen wie uns?“
      Oh oh, ihr Auge hatte gerade gezuckt, hatte das noch jemand gesehen? Kyon schluckte nervös, das würde nicht gut ausgehen. Äußerlich blieb Jeanette Linda vollkommen ruhig, aber das musste nichts heißen, sie war auch ruhig gewesen bevor sie ihren Mann und dessen Sohn aus erster Ehe ermordete um das Haus der Linda zu übernehmen. Die Linda hatten den Machtwechsel damals mit unendlicher Gelassenheit akzeptiert, sie waren an so etwas gewöhnt.
      „Mhm, weiß noch nicht genau. Aber mir wird schon etwas einfallen sobald ich erstmal vor dem Rat stehe.“ antwortete Haruhi gelassen.
      „Ich denke nicht, dass wir Zeit für so etwas haben.“
      „Na schön. Aber wie wäre es denn wenn du und die Gilde mir meine königlichen Aufpasser vom Hals schaffen, Großmütterchen?“
      zum Glück hatte Haruhi es ausnahmsweise einmal geschafft leise zu reden, so dass nur die Vertrauten der Linda das letzte Wort gehört hatten. Aber auch so erwartete Kyon dass die Silberblatt demnächst von einem Attentäter der Gilde ermordet wurde, das konnte die Linda sich nicht gefallen lassen.
      G-g-großmütterchen? Fast hätte Jeanette ihre Beherrschtheit verloren. Sie war gerade einmal Mitte Dreißig und ohne ein einziges graues Haar! Ihr Gesicht war noch immer faltenfrei und so schön wie damals, als sie das Oberhaupt der Linda verführt hatte um an die Spitze dieses Hauses zu gelangen. Wie konnte dieses arrogante, kleine Ding es wagen so mit ihr zu reden? Wollte die Silberblatt sie etwa provozieren? Jeanette wusste, dass die Vanidaren ein wenig sensibel waren, wenn es um ihre Matriarchinnen ging. Vor 16 Jahren hatte das Herzogtum den Republiken den Krieg erklärt, nur weil die jüngere Schwester der Matriarchin sich unerlaubt bei ihnen aufgehalten hatte. Allerdings waren die Vanidaren damals eh im Krieg mit dem König gewesen, weswegen es nie auch nur zu einem einzigen Kampf zwischen ihnen gekommen war. Wenn Jeanette sich allerdings hier, vor so vielen Zeugen, zu einer Beleidigung gegen diese Haruhi hinreißen ließ, würde man sie später sicher beschuldigen falls der Silberblatt etwas zustieß. Und zustoßen würde ihr etwas, dafür würde sie schon sorgen. Kurz überlegte sie, ob sie es darauf ankommen lassen sollte, aber ein Krieg mit ihrem östlichen Nachbarn konnte sich schnell zu einer handfesten Katastrophe auswachsen. Die Republiken waren zwar deutlich größer und reicher als Vanidarien, verfügten aber über kein richtiges Heer und außer Guerilla ließ sich keine ihrer Städte verteidigen. Seit dem Bürgerkrieg vor inzwischen fast 120 Jahren mussten sie sich nur noch ab und zu mit kleineren Banditenbanden rumschlagen. Der König würde vermutlich eher amüsiert zusehen wie sie sich gegenseitig umbrachten als Hilfe zu schicken.
      „Bist du ihr Reiseführer?“ die Linda sah an Haruhi vorbei und Kyon brauchte einen Moment um zu begreifen, dass sie mit ihm sprach. In ihren Augen konnte er inzwischen wirklich kurz so etwas wie Wut aufblitzen sehen, er war so gut wie tot „Wie ist dein Name?“
      Kyon wurde schlecht, aber er bemühte sich trotzdem ganz ruhig zu wirken, als er antwortete „Kyon, aus dem Haus der Trellik. Ich bitte um Verzeihung für dieses Verhalten...“
      „Kyon Trellik, ja?“
      unterbrach sie ihn „Als ihr Führer, ist es deine Aufgabe dich um unsere Gäste zu kümmern, aber vor allem bist du für ihr Verhalten verantwortlich. Hast du das verstanden? Ich nehme an ich werde unseren geliebten Gästen nicht noch einmal über den Weg laufen, richtig?“
      Kyons Augen suchten unter den Ratsmitgliedern nach seinen Eltern, aber sie waren nicht da, großartig. Er verstand genau was die Linda ihm sagen wollte, wenn Haruhi sie noch einmal nervte, ging es ihm an den Kragen. „Ihr werdet sie nie wieder sehen.“ presste er hervor.



      „Was sollte das?“ als sie das Ratsgebäude verließen und wieder im Park waren, baute er sich vor Haruhi auf, bevor sie wieder losstürmen konnte „Was hast du davon sie zu beleidigen? Sie kontrolliert die ganze verdammte Mördergilde!“
      „Ich habe keine Zeit für Höflichkeiten.“
      antwortete sie mürrisch „Jetzt sei endlich mal still und folg mir, ja?“
      „Und wo soll es diesmal hingehen?“

      Sie betrachtete Kyon mit einem mitleidigen Blick, fast so als könnte sich jeder Idiot denken wohin sie wollte „Ziemlich simpel, ich brauche mehr Leibwächter.“
      „Wozu denn das?“
      „Denkst du ich bin so dumm wie du, Kyon? Ich weiß dass ich den Königlichen in meiner Wache nicht trauen kann, denk doch einmal ein bisschen mit! Damit diese Reise weitergehen kann, brauche ich mehr Männer.“
      „Ach und wo willst du die finden? Das hier ist nicht Vanidarien, die Menschen in den Republiken interessiert es einen Dreck ob du die Tochter der Matriarchin bist.“
      „Hör auf Unsinn von dir zu geben und setz dich lieber in Bewegung, Kyon.“
      „Wo willst du hin?“
      fragte Kyon misstrauisch.
      „Ganz einfach, ich besorge mir eine Armee.“
      „Ah, toll. Ich nehme an du hast irgendeinen großartigen Plan, der gar nicht schief gehen kann, richtig?“
      „Jap.“
      sie verschränkte die Arme und setzte ein Lächeln auf, dass ihn nichts gutes ahnen ließ.
      „Und wie genau sieht der aus?“
      „Wir laufen durch die Stadt, ich schnappe mir jeden der gelangweilt aussieht und drücke ihm ein Schwert in die Hand, solange bis wir in der Überzahl sind.“
      „Warte mal, kann ich noch mal mit dir über diesen Plan reden?“
      „Nein, aber du darfst zuhören wie ich darüber rede, und ich habe auch schon eine wunderbare Idee wo wir anfangen.“
      das bedrohliche Funkeln in ihren Augen, gefiel Kyon ganz und gar nicht.



      Am Rande des Parks, dort wo das endlose Gewirr aus Gassen wieder begann, stand eine abgerissene Gestalt und betrachtete sie neugierig aus den Schatten heraus. Nur wer ihm sehr nahe kam und den jungen Mann eingehender betrachtete, würde vielleicht erkennen dass er eigentlich nur abgerissen aussehen wollte. Den unförmigen, kastanienbraunen Mantel hatte er erst heute morgen ausgiebig durch diese Gassen geschleift und ein wenig mit dem Messer bearbeitet. Immer wenn jemand vorbeikam senkte er sofort den Blick, nicht aus Angst vor den Adligen in diesem Viertel oder um mit gespielter Unterwürfigkeit vielleicht ein paar Münzen zu erbetteln. Sie sollten seine Augen nicht sehen. Auf seinem Kopf ruhte eine Mütze aus grober, grauer Wolle um seine kurzen Haare zu verbergen. Sie kratzte furchtbar. Aber was tat man nicht alles um seine Herrin zu beschützen? Der Herzog von Vanidarien hatte ihn erst einige Zeit nach Haruhis Aufbruch losgeschickt, praktisch als verdeckte Verstärkung, als kleine Überraschung für die Königlichen. Mehr Männer hätten die Spione des Vizekönigs sicher entdeckt, selbst er alleine war nicht gerade unauffällig. Er hatte den Weg durch die Sümpfe von Neidea genommen. Dadurch gelangte man in den Norden der Republiken, nach Taldeer und das wiederum lag direkt östlich von Guerilla. Es war recht wahrscheinlich gewesen, dass Haruhi ihre Reise als erstes durch die Hauptstadt führen würde.
      Die Reisegruppe der Silberblatt war auf dem Weg von Benjii nach Guerilla nicht sehr schnell geritten und so war er noch vor ihnen hier eingetroffen. Eine Unterkunft musste er sich gar nicht erst suchen. Wenn er Schlaf brauchte, dann konnte er den in irgendeiner Gasse neben Haruhis Gasthaus finden. Es war zwar schrecklich schmutzig, aber das würde seiner kleinen Verkleidung sicher nicht schaden, eher im Gegenteil. Wenn seine Haare erstmal voller Dreck waren, musste er diese furchtbare Mütze nicht mehr tragen und er würde auch endlich wie ein echter republikanischer Bürger riechen...hurra.
      Er war nur etwa zwei Jahre älter als Haruhi und doch würde er sich nicht mehr als jung bezeichnen, dafür hatte er bereits zu viel Blut vergossen. Sein Aussehen war immer das einzige an ihm gewesen, was ihm gefiel. Aber hier, in den Republiken, erschwerte es ihm seine Aufgabe unentdeckt zu bleiben. Unter den Silberblättern dieser Tage galt er fast schon als etwas Besonderes. Im Laufe der Zeit war das leuchtende Rubinrot ihrer Augen abgestumpft und dunkler geworden, oft sah es sogar schon eher rotbraun aus. Sie wirkten zwar noch immer recht ungewöhnlich, aber würden sicher niemandem mehr Angst einjagen. Auch das helle silberne Leuchten ihrer Haare, hatte sich größtenteils in ein stumpfes Grau verwandelt. Er dagegen wirkte noch immer wie ein Silberblatt aus den alten Geschichten, als sie auf dieser Insel an Land gingen und es als Speerspitze des Königs für ihr Volk eroberten. Oder als sie noch auf dem Festland lebten und durch Wälder aus silbernen Bäumen zogen, in denen die Macht des ewigen Eises ruhte. Man konnte ihn ohne Probleme 2000 Jahre in der Zeit zurückschicken und unter diese weißhaarigen, bleichen Krieger mit den strahlenden roten Augen mischen, er würde nicht auffallen. In dieser Zeit und vor allem außerhalb Vanidariens fiel er dagegen schon auf. Seine Haut war so blass, dass die wenigen Leute mit denen er auf seiner Reise gesprochen hatte, ihn andauernd fragten ob er krank sei, was ihm langsam wirklich auf die Nerven ging.
      Es hieß ihr merkwürdiges Aussehen verdankten die Silberblätter der Gründerin ihres Clans, der Weißen Königin. Sie soll eine mächtige Hexe weit im Norden des Festlands gewesen sein und die Silberblätter waren ihre Nachfahren. Vermutlich hatten sie deshalb keine Probleme damit gehabt, sich der Matriarchin von Varos unterzuordnen und ihre neuen Diener zu werden, sie hatten Erfahrung darin sich Hexen zu unterwerfen. Um ehrlich zu sein, er hatte noch nie viel davon gehalten die Matriarchinnen anzubeten. Er war Haruhi vor diesem Tag noch nie begegnet und auch nicht Tegara. Man hatte ihn nie nach Vanidos gelassen, um selber einmal einen Blick auf die angeblich göttliche Matriarchin zu werfen. Er war eines der wenigen Dinge, von denen nicht einmal sie wusste und das war auch gut so. Ansonsten hätte Tegara ihn vermutlich sofort hingerichtet. Nur der derzeitige Herzog und einige Eingeweihte wussten wer er wirklich war.
      Nämlich der Sohn von Roger Talien Silberblatt, der Herzog welcher während der Rebellion gegen den König fiel, und Aleyna Silberblatt. Und genau darin lag sein Problem. Aleyna war nämlich vor allem die damalige Matriarchin gewesen. Ihre ganze Schwangerschaft über hatte sie in einer Burg an der Küste verbracht und nur Roger oder ihre treuesten Diener zu sich vorgelassen. So hielt man es meistens wenn eine Matriarchin ein Kind erwartete, dadurch konnte man männliche Nachkommen loswerden, ohne dass ihre Existenz überhaupt erst bekannt wurde. Im Herzogtum hieß es, sie wäre an einer unbekannten Krankheit zugrunde gegangen. Eine deutlich bessere Erklärung als „sie ist bei der Geburt eines Sohnes gestorben“ das hätte man bestimmt nicht so gut aufgenommen.
      Männliche Kinder einer Matriarchin galten seit jeher als verflucht. Als seelenlose Geschöpft, nur geschaffen um zu kämpfen und vor allem zu sterben. Als Sohn einer Matriarchin wurde man nicht alt. Roger schaffte ihn auf eine kleine Burg, irgendwo zwischen den Hügeln nahe der nördlichen Sümpfe. Man hatte ihn dort zu einem Krieger erzogen, mehr oder wenig. Um ehrlich zu sein, brachten sie ihm recht wenig bei. Wenn man der Sohn einer Matriarchin war, hatte man eigentlich nur eine ganz einfache Aufgabe zu erfüllen: ein paar ihrer Feinde töten, aber dann sollte man gefälligst sterben. Mehr erwartete niemand je von ihm. Vom Tag seiner Geburt an war festgelegt, dass er in seinem ersten richten Kampf sterben sollte, damit seine verfluchte Existenz wenigstens noch ein halbwegs sinnvolles Ende fand. Wozu also kostbare Zeit mit einer guten Ausbildung verschwenden? Das Meiste was er konnte, hatte er in den vielen Scharmützeln der letzten Jahre gelernt, denn davon hatte es mehr als genug gegeben. Offiziell herrschte zwar Frieden, aber die Matriarchin dachte nicht im Traum daran ihre Nachbarn deswegen freundlich zu behandeln. Einen Namen hatten die Menschen auf dieser Burg ihm auch nie gegeben. Was sollte ein Toter schon mit einem Namen anfangen? Also hatte er sich selbst einen gegeben, nämlich den seines verstorbenen Vaters, Roger Talien Silberblatt. Damals war es ihm irgendwie passend vorgekommen den Namen eines Toten anzunehmen, inzwischen wusste er dass es nur weitere Aufmerksamkeit auf ihn lenkte.
      An seinem dreizehnten Geburtstag, war er zum erstenmal mit einer der Grenzpatrouillen in den Norden gezogen. Dort sollten sie in den Sümpfen von Neidea nach Plünderern aus Nordmar Ausschau halten. Es war praktisch Tradition, dass sie immer wieder mit dem nördlichsten aller Reichsteile aneinandergerieten. Obwohl der letzte, richtige Krieg mit Nordmar schon lange her war, lieferten sie sich noch immer gerne Scharmützel entlang der Grenze. Diese war zum Glück nur noch recht klein, seit Südnordmar ein Teil der Republiken geworden war. Einst galten die Nordmarer als die wildesten und rückständigsten aller Bewohner des Reichs. Sie hatten sich am schwersten damit getan, die alte Lebensweise aus dem Norden abzulegen und noch lange glichen sie den wilden Nordmännern vom Festland. Aber schon seit langer Zeit wurden sie ihrem barbarischen Ruf nicht mehr gerecht, sie unterschieden sich eigentlich kaum noch von den restlichen Einwohnern des Königreiches. Um ihm damals eine scheiß Angst einzujagen, reichte es dann allerdings doch noch. Aber er hatte überlebt, auch wenn er ehrlich gesagt nicht mehr wusste wie. Besonders heldenhaft hatte er sich jedenfalls nicht angestellt als die Nordmarer über sie herfielen. Vermutlich verdankte er sein Leben damals wohl eher der Tapferkeit des restlichen Trupps, aber das war für ihn nicht wichtig gewesen. Wichtig war nur, dass er noch lebte. All dieses Gerede von Flüchen, Seelenlosen und seinem Schicksal, das war ihm in den Sümpfen vollkommen egal gewesen. Er würde nicht für diesen uralten Aberglauben sterben!
      Und so hatte er sich weiterhin gegen den Tod gestemmt. Mehr als fünf Jahre lang wurde er von einer Grenzpatrouille zur nächsten versetzt, immer da wo es gerade am gefährlichsten gewesen war. Während die Krieger und Ritter der restlichen Fürsten träge wurden und nur ab und an Banditen jagten, fand die Matriarchin immer irgendetwas für ihre Soldaten zu tun. Er hatte an Überfällen auf das Land des Königs teilgenommen, hatte die Küste vor Angriffen der Plünderer vom Festland verteidigt, hatte sich in den trostlosen Sümpfen mit Nordmarern geprügelt und war dabei gewesen, als sie selbst mit einem gekaperten Langschiff, die Küste der Grafschaft Nika plünderten. Die sieben Monate auf diesem unseligen Schiff waren die schlimmsten seines ganzen Lebens gewesen. Wie hielten die Männer vom Festland das nur aus? Jedenfalls hatte er Kämpfe selbst dann noch gewonnen, wenn andere längst aufgaben und in der Schaufelbucht, nahe Neu Vanidos, erschlug er sogar einen Jarl der Nordmänner als dieser versuchte die graue Hafenstadt zu plündern. Ohne es zu wollen, hatte er sich dadurch langsam einen gewissen Ruf erarbeitet. Die Männer an den Grenzen begannen alle möglichen Gerüchte über ihn zu verbreiten. Am schlimmsten waren die Veteranen, welche seinen Vater noch persönlich gekannt hatten. Mehr als einmal hatte er gehört, wie man ihn als einen Bastardsohn Rogers bezeichnete, womit die Leute der Wahrheit für seinen Geschmack bereits viel zu Nahe kamen.
      Inzwischen waren die Geschichten über ihn sogar schon bis an das Ohr der Matriarchin gedrungen und das war alles andere als gut für seine Gesundheit. Tegara würde erkennen wer er war, was er war, dafür brauchte sie nicht einmal ihre göttlichen Fähigkeiten. Selbst Leute, die seinen Vater nicht so gut gekannt hatten, sahen deutlich dass er eine jüngere Version von Roger war und ihm auf fast schon unheimliche Weise glich, nun ja zumindest wenn er etwas anderes als diese schmutzigen Fetzen trug.



      Er hatte gehofft, die Matriarchin würde nichts auf diese albernen Geschichten geben, im Gegenteil. Sie wurde immer neugieriger und wollte den jungen, angeblich unbesiegbaren Ritter, der den Namen des verstorbenen Herzogs trug unbedingt treffen.
      Roger war froh gewesen, dass ihn dieser Auftrag aus Vanidarien herausführte, um ehrlich zu sein, hatte er bei seiner Abreise auch gar nicht die Absicht gehabt jemals wieder zurückzukommen. Es war nicht vorgesehen gewesen, dass er so lange am Leben blieb. Der Herzog wurde unruhig. Roger war inzwischen bereits Achtzehn, fast Neunzehn, niemals hatte der Sohn einer Matriarchin so ein `hohes´ Alter erreicht. Vermutlich würde ihn bei seiner Rückkehr nichts weiter als der Tod erwarten, ob der Herzog wohl Angst vor ihm hatte? Roger wurde immer beliebter bei den Soldaten, ob man ihn inzwischen sogar schon für eine Gefahr hielt? Er hatte kein Interesse daran seinen Halbbruder zu stürzen, er wollte einfach nur in Frieden leben. Auf dem Weg hieher, hatte er sogar schon mit dem Gedanken gespielt, seinen Auftrag gleich ganz zu vergessen und sich so schnell wie möglich abzusetzen, vielleicht irgendwo in den Süden oder Westen. Der König zog an der Küste in Aratar eine neue Streitmacht zusammen, um den Rebellen Georgios endgültig zur Strecke zu bringen. Gute Krieger konnten dort in einem Jahr genug Geld machen um ein kleines Stück Land zu kaufen und selbst beim Sturm auf die angeblich uneinnehmbare Inselfestung Adlerfelsen standen Rogers Überlebenschancen vermutlich noch immer deutlich besser als in Vanidarien.
      Doch dann hatte er Sie gesehen. Ihr Anblick löschte alle Gedanken an Flucht auf der Stelle aus, um genau zu sein hatte sie einfach jeden Gedanken in seinem Kopf ausradiert. Er erkannte sie sofort, als sie sich an der Spitze ihrer Reisegesellschaft durch die Menschenmenge schob. Eigentlich wollte er nur einmal kurz einen Blick auf die Tochter der Matriarchin werfen und sich dann nach Aratar aufmachen, aber er war geblieben. Sie war wie...wie...verdammt, er war kein idiotischer Poet, sondern ein Krieger. In den letzten Jahren hatte er vermutlich mehr Blut gesehen, als die meisten Ritter oder Fürsten des Reichs in ihrem ganzen Leben. Gestern noch war er einfach nur müde gewesen, die letzten Jahre hatten ihn ausgebrannt, er wollte bloß noch seinen Frieden. Aber ihr Anblick ließ seinen Kampfeswillen wieder auflodern und seine Kraft zurückkehren, sie vertrieb die Erschöpfung und für ein einziges, kurzes Lächeln von ihr, würde er mit Freuden bis zum Tod kämpfen. Als ihr herrischer Blick vom Pferd aus über die Menschenmenge glitt und ihn kurz streifte, konnte er nur gerade so dem Drang widerstehen sich sofort auf die Knie zu werfen. Dann war sie im Gewirr der Straßen verschwunden. Nie hatte er sich in seinem Leben so verloren gefühlt, wie in diesem Moment, als ihr Licht nicht mehr auf ihn schien.
      All seine Pläne vergessend, war er ihr augenblicklich hinterher und folgte Haruhi seitdem auf Schritt und Tritt. Plötzlich wollte er seinen Auftrag unbedingt erfüllen, wollte sie vor diesen grobschlächtigen königlichen Soldaten beschützen, vor den schlangengleichen republikanischen Adligen und den rostigen Dolchen der Mörder in dieser Stadt. Wenn er sie aus den Augen verlor, wurde er ganz apathisch und unruhig, ihr Strahlen war fast schon wie eine Art Droge. Konnte an dem ganzen Aberglaube am Ende doch etwas Wahres dran sein? War sie wirklich eine Göttin? Noch vor einem Tag, hätte er über diese Behauptung gelacht, jetzt fiel es ihm irgendwie sehr leicht daran zu glauben. Haruhi redete gerade aufgeregt auf ihren Reiseführer ein, einen mürrischen Republikaner welcher Roger schon vom ersten Augenblick an unsympathisch gewesen war. Wie konnte dieser Narr nur die ganze Zeit so schlecht gelaunt sein? Er durfte immerhin mit Haruhi reisen, Roger würde töten um mit ihm zu tauschen. Selbst auf diese Entfernung konnte man erkennen, dass der Republikaner alles andere als begeistert von Haruhis Worten war. Doch sie drehte sich einfach um, und wollte losstürmen.
      Auf einmal packte dieser Republikaner mit den kurzen, braunen Haaren Haruhi am Arm und hielt sie fest, während er zornig auf sie einredete. Roger glaubte fast einen Moment sein Herzschlag würde aussetzen, als er das sah. Wie konnte er es wagen, sie war die Tochter einer Göttin! Seine zukünftige Herrscherin und er nichts weiter als ein republikanischer Niemand. Vermutlich stammte er nicht einmal aus einem der großen Adelshäuser und selbst dann würde ihn dieses Benehmen in Vanidos mindestens die Hände kosten. Schon den ganzen Tag musste Roger sein respektloses Verhalten mit ansehen, lange würde er das nicht aushalten. Für einen kurzen Moment war er versucht den Mantel abzuwerfen und dass Schwert zu packen, welches auf seinem Rücken ruhte. Nur wenige Augenblicke, dann wäre er bei diesem Kerl und hätte ihm den Kopf abgetrennt. Aber dann würde Haruhi sicher erkennen, dass er ein Silberblatt war. Also schluckte Roger seinen Zorn herunter, der Republikaner war vielleicht respektlos aber nicht gefährlich. Es wäre besser weiterhin seinem Auftrag zu folgen und nur zu beobachten, bis sie sich wirklich in Gefahr befand.
      Ihr kleiner Disput schien recht schnell beendet zu sein. Zumindest ging Haruhi einfach davon und als der Rest der Gruppe folgte, stand der verwirrte Republikaner plötzlich alleine da.
      „Kyon! Beweg dich!“ rief sie mit diesem wundervollen Befehlston in der Stimme und der Republikaner setze sich dann doch noch seufzend in Bewegung um ihr zu folgen.
      Kyon. Das also war sein Name. Als Roger der Reisegruppe, in das Labyrinth von Guerilla folgte, beschloss er stumm diesen Kyon zu einem Duell herauszufordern, wann immer sich die Gelegenheit dazu ergab. Dieser schleimige Kerl konnte sich ja nicht die ganze Zeit in der sicheren Nähe der Gruppe aufhalten. Irgendwann würde er ihn alleine erwischen und für seine Unverschämtheiten in zwei Hälften spalten. Das schwor er sich bei der Asche des Weißen Baumes.

      Ähm ja...wie man denke ich deutlich sieht, war ich damals nicht unbedingt besonders beliebt. Irgendwie wollte jeder meinen Tod, das ganze wurde langsam wirklich lästig. Erst hatte dieses verrückte Mädchen das Stimmen hörte versucht mich abzustechen, dann gab Jeanette Linda mir die Schuld für...nunja für Haruhi halt und jetzt schlich uns noch jemand hinterher der mich umbringen wollte! Dabei hatte ich doch gar nichts getan. Alles was ich machte war brav hinter Lady Asahina herzulaufen und sie vor den exzentrischen Ausbrüchen Haruhis zu beschützen. Warum wollte man mich dafür töten? Als hätte ich nicht schon genug Probleme mit Haruhi...

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